corun ii

tief geschnittene wunden. getrocknetes blut fuellt sie. mein schmerz ist die unsterblichkeit. nie endender hass. du bist es nicht, den ich hasse. du bist mehr als das. hass ist ein gefuehl. nichts weiter. jemanden zu hassen bedeutet, ihm ein schweres leben zu wuenschen. ich will dich tot. nichts weniger als dies. deine macht ist wertlos. und wieder meine. ich bin der ewige krieger. der perfekte. niemand koennte mich je besiegen. ich werde wiedergeboren werden. dann komme ich zurueck und werde dich toeten. hast du je gegen mich gekaempft? weisst du ueberhaupt, wer ich bin? nein, du weisst es nicht. du willst es einfach nicht wissen. wer bin ich? ich weiss es nicht. niemand weiss es.

mein blut ist ungewoehnlich. weder von adel noch aus der gosse. es ist das dunkle blut der ewigkeit. ich bin ein psychopath. ich bin ein gott. nicht deiner - sondern weitaus mehr. ein gott, ein teufel, ein unschuldiges kind, ein heiliger vater, ein soldat des todes. ich bin unsterblich. alles und nichts sind in mir vereint.

hast du jemals eine schwarze rose gesehen? wenn ja, so weisst du, wer ich bin. ich bin der schoenste. der koerper zaehlt nicht. die wahre macht ist mein selbst. mein geist so klein. er bedeckt die ganze existenz. du weisst nicht, dass du mich nicht schlagen kannst. deine waffen sind materieller art. meine sind es nicht. ich gebrauche meinen geist, den ewigen. mein tod ist meine geburt. ich wurde nicht von menschen gezeugt. bin nicht wie du, menschens kind. ich bin mein eigener vater, meine eigene mutter. einfach ein gott. meine eigene schoepfung. aber das universum wurde nicht durch mich geschaffen. es ist meine schwester. unser einziger schoepfer war unser geist. unser kleiner geist. es gibt ihn, seit alles begann, und er wird da sein, wenn sich schon alles wieder aufgeloest haben wird. er bleibt.

blut tropft aus den wunden. schwarzes blut, heraus aus schnitten in dunkler haut. der schmerz, von einem dunklen geist geboren. die haut, bedeckt von heisskalter asche. gefaerbt in einem schwarzen grau. zwei tiefe augen beobachten. nichts kann sich verstecken. ein kalter windzug blaest die asche fort. dem gehassten feind entgegen. das schwert erhebt sich ueber dem kopf. der tod wartet auf die vollstreckung. beide kreaturen schauen einander an. nur eine wird ueberleben. schweigen erfuellt die szene. es ist nichts zu hoeren, waehrend die klinge dem nacken meines feindes entgegenstuerzt. schrei! stirb!

der tod kommt und traegt den verlierer fort. ich lache. lache ueber dem kadaver. helles blut faerbt den boden. blendet die dunklen augen des kriegers. ich wende mich ab. nichts, das wert waere, darueber nachzudenken. sich daran zu erinnern. keine bedauern martert den geist. kein stolz. ein dunkle sonne erhebt sich am himmel. der teufel lacht, nimmt die seele des verlierers mit sich. gott ist nun mit seinem feind. schwarze rosen erscheinen am boden.

ich falle auf die knie, sende meiner liebe ein gebet. sage lebewohl. es gibt nichts mehr zu tun. nichts zu gewinnen. und da ist auch nichts mehr zu verlieren. die ewigkeit kam, als das helle blut den boden faerbte und die sonne stieg.

meine schwester weint und bittet mich, nicht zu gehen. sie wuerde mir folgen, so dass alles aufhoerte, zu existieren, das gesamte universum. ich schaue auf den boden, beruehre eine rose. nichts bleibt fuer immer. meine wunden schmerzen. das blut trocknet. ein warmer wind umspielt mich. ich weiss, es ist ihr atem. nein, ich werde nicht gehen, obwohl nichts mehr ist, was ich tun koennte. ich werde nie mehr jemanden finden, den ich hassen kann. die menschheit starb vor langer zeit. aber meine schwester weiss, wo ich noch feinde finden koennte. sie ist perfekt.

ich hoere die sonne meinen namen rufen. ihre strahlen beruehren meine haut. heilen meine wunden. meine verehrte beginnt, mir meine macht zurueckzugeben. ich stehe auf. schaue sie an. beide, meine schwester und meine liebe. sie werden immer bei mir sein. das weiss ich. ein letztes mal beruehre ich eine der rosen. dann erschafft mir die sonne einen engel. einen dunklen engel. schwarzen schwingen verbergen die sonne. noch immer blaest der warme wind. meiner schwester atem. zwei dunkle augen beobachten mich. sie nimmt meine hand. zusammen verlassen wir die verlorene erde. nie wieder werden hier menschen leben koennen.

die dunklen flammen der sonne verschlucken meinen koerper. mein geist bleibt bei meiner schwester - jenseits der zeit.

[uebersetzung: a.baganz]


Coruns Seelenheimat

© 2001 by Corun




 

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