DYNAMO CHARKIW

Der Winter scheint länger als nötig zu sein.
Du zeichnest mit der Sohle so arbeitsam
die Grenzen des Tauwetters, das so straff tastet
nach den Grenzbezirken unseres Staates.
Es tröpfelt - das herbe Blut sickert
vom Gotteskörper. Dunkel werden die Gesichter.

Die Städte sind leer. Man geht längs der Schneide
seines Auslebens, die Plebsreste meiden
diese Wohnviertel in der ewigen Renovierung,
der Schlaf flüstert der Schläfrigkeit in der Verwirrung zu:
"Stirb, meine Liebe, und mach es nicht lang,
für deine Schwermut fehlt es an Glockenklang".

Die Vögel wählen die warmen Gefilde,
die mit der Zeit permanent werden und vermildert
bleiben die Kinder - streitsüchtige Zukunft
des alten Landes. Die Wachen zucken
mit den Achseln, Gewehre und Ladung verloren,
und wir bleiben mit dir und ernten Lorbeer.

Der verkrüppelte Kain in dem zertrümmerten Haus
sucht die unverletzten Sachen. Aber
der Eckstein fehlt. Die Heimat siecht dahin. Statt dessen
werden die Bäume fest, dicht das Bewußtsein - wessen?
Wie der gefallene Soldat zum Angriff kriecht,
so vergeht die Zeit, das heißt: sie vergeht gar nicht.

© 2004 by Shadan, Serhij




 

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