Gedichte

die stadt wird zum friedhof

die stadt wird zum friedhof / einem brüchigen ungetüm alter ziegelsteine / das mausoleum meines verstandes / ich könnte hinabsteigen / eintauchen / ich könnte eins werden mit ihr / meine identität aufgeben, verleugnen / mein herz schlagen lassen im rythmus dieser trommel / aufgehen in den sehnsüchten millionen anderer // wir wären glücklich in unserem unglück / glorreich scheiternde / wir beträten den scheiterhaufen mit der schwere unserer gewißheit / dass wir nicht die einzigen sind die heute brennen // ein guter tod wäre es / zu brennen / die kalte hand eines fremden umklammernd / zu wissen / ich bin nicht allein.


Im Schlund der abgewandten Sonne

Hoch schrie der Wind
Gen kahle Bäume
Die Nacht brandet kalt
Das Ufer hinab.
Dort - wo die kalten
Menschen wohnen;
Dort - wo der Vollmond
Zerrissen ward.

Und wär ich auch Laub
Und lang schon verwelkt so
Wär ich auch Stein von
Den Tritten erstarrt.
So wär ich auch Wurzel
Und Stab, der gebrochen;
So wär ich das Auge,
Das im Winde verzagt.


vor gibraltar

und die nacht bricht schwarz
ich eins so du mit
mir zusammen bist
am ufer des meeres sandte ich
dir den traum

kaum hoffnung

der winter wartet in
höhlen, in unseren gebeinen
vor dem rostigen tor.

der meer wird vereisen
vor gibraltar das meer...
wird nicht weisen den weg, nein,
die frierenden wellen
schlagen tote ans ufer
und planken und
schwerter
und krieg.


wenn sie dort draussen

wenn sie dort draussen
wohl noch immer
in ihrer trüben enge hocken
und auf den stromausfall warten

ich glaube sie wissen
dass ich hier bin ich wünschte
ich wüsste was sie denken

das gerümpel stapelt sich
immer höher im keller
wir schmeissen nichts weg, wisst ihr,
man weiss nie was kommt

oder nicht kommt. regen
wird sicherlich nie
durchs dach tropfen - schäden

werden sorgsam ausgebessert
und bäume beschnitten
wenn sie zu weit austreiben.


Bernhard Straßer

© 2003 by Straßer, Bernhard




 

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