sammlung n° 19

lichtbringer

wie der letzte mensch
enstprangst du hoehlen -
darinnen deine dunklen augen lagen;

spaeter ein bild:

schuhe, weiss-braun,
wie sie in der luft wippen


du singst:

schweigen im tage
warten auf den morgen
warten auf den morgen
schweigen im tage


ein gedanke ueber die hoehlen kommt -
bald voruebergeht:

es ist
dein leichter schritt der jugend

er bringt der welt
verborgenes licht

2004-12-23


herzfeld

der samen, den man einst gesaet -
immer heisst es:

morgen bricht die zukunft an
und ein bluetenmeer wird dann
ueber dieser brachen erde wogen,
aber die zukunft bricht nicht an

unter der erde schlagen
die dunklen fruechte.

2005-01-03


ohne titel

im gebirge ist noch immer krieg
oder nur ein strenger winter in dem
die sicht nie weiter reicht
als einige meter;

wir verlieren einander
so oft wir uns finden
verlieren wir einander

ich hoere das trommeln der kanonen
oder das leise fallen von schnee
den hufschlag eines durch das eis
     brechenden pferdes

und wir verlieren einander
so oft wir uns finden
verlieren wir einander

in der nacht, die keinen morgen kennt,
lege ich mich schlafen

nur ein lied, nur ein lied
kann ich jetzt noch singen.

2005-01-03


fern der heimat

in der nacht schleichen wir ueber schnee, ueber schienen.

nordwaerts durch die versunkenen hoehen, entlaubten waelder. immer wieder haelt der zug - an schweigenden orten, namenlos. davor das schnauben der bremsen; eintreffen, wo kein ziel ist. dann geht es weiter, weiter.

wir schleichen ueber schnee, ueber schienen.

2005-01-03


© 2005 by Arne-Wigand Baganz








seelengruende - Gedichte von Arne-Wigand Baganz


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