Requiem

Das Meer, sagte sie Dir und mir, sei ihre einzige Liebe. Das Stranden der nimmermüden Wellen, gleich und gleich, die lauen Winde des Südens...

Von ihrem Balkon aus hat sie sich durch die Wolken brechendes Licht als Epiphanie gedeutet, immer wieder fotografiert, in das Violett der Schmerzen getüncht, wie alles, das in ihre Hände geriet.

Oft befand sie sich hoch oben, auf den Gipfeln der Verzweiflung, aber Cioran, den sie nicht mochte, hatte diese Metapher bereits für sich gebucht. Deshalb schwieg sie, zumindest darüber.

Des Nachts stimmte sie ihre Lyra an, trunkene Töne der Besessenheit, die Glut des Wahnsinns, die Saiten in Feuer. Am Morgen Asche.

Einmal erhob sich ein letzter Sturm im Wasserglas - wie oft schon hatte sie das Verderben angerührt?

Draußen rauschte das Meer - und war ihre einzige Liebe.


© 2006 by Arne-Wigand Baganz


Ihre Bewertung dieses Textes:







seelengruende - Gedichte von Arne-Wigand Baganz


die besten gedichte aus 5 jahren anti-literatur
s e e l e n g r u e n d e
- arne-wigand baganz

92 Seiten. EUR 10,- ISBN 3-8334-1226-7

mehr informationen auf




 

Über + Kontakt

© 1999-2012 by Arne-Wigand Baganz Startseite Lyrische Texte Bücher von Arne-Wigand Baganz Prosaische Texte Fotografie Inspiration Texte von Gästen