der letzte kaiser

als der letzte kaiser von preußen, ich wage seinen namen nicht zu erwaehnen, so klebt die eitrig-gelbe schande an ihm, eines morgens erwachte, da befahl er sich ein frisch gebackenes ei an sein wohlbehuetetes und stets bis zur aueßersten reinlichkeit gepflegtes bett. dabei drang er sehr auf eile, denn, das mag ein jeder leser schnell erraten, er hatte noch vieles vor an diesem so jungen tage. die unterschiedlichsten taetigkeiten standen in seinem doch mehr imaginaeren kalender in alphabetischer reihefolge - wie es sich selbstverstaendlich versteht. aber ich moechte mich mit dieser schilderung der historischen begebnisse nicht allzusehr in den unbedeutenden kleinigkeiten, die vielleicht doch erst das interesse der oberflaechlicheren menschen wecken koennten, verlieren. also werde ich es mit ein wenig mehr ordnung und selbstdisziplin versuchen, denn so eine schreiberei, vor allem, wenn dabei etwas herauskommen soll, dem man den namen literatur aufdruecken moechte, ist, auch wenn das so manch einer gern annimmt, kein spaß. es ist viel eher eine sehr ernste sache, ueber die mindestens eine versteckte traene geweint werden kann - wenn nicht gar: muß. aber ich merke schon, wie ich mich von dem thema, das dich, mein teuerster leser, bisher so sehr begeistert hat, immer weiter entferne. das will ich nicht. um himmels willen. ich will es wirklich nicht. deswegen komme ich auch schnell zum punkt.

als der letzte kaiser von preußen sein frisch gebackenes ei bekommen hatte, erhob er sich aus seinem bett - ich glaube, dass ich ein leichtes knarren hoeren konnte - stand auf und fiel tatsaechlich tot um.

manchmal kann das leben doch
so einfach sein.


© 2004 by Arne-Wigand Baganz


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