letzte worte

so steige ich denn auf meinen schwan und mit ihm immer weiter in die tiefen des himmels. erdgewandt sage ich noch:

macht´s gut, ihr duesteren betonhaine und -weiden, ihr breiten und schmalen straßen, gruenen parks und stillen friedhoefe.
mach´s gut, du einsame birke vor meiner nun verlassenen hoehle. im fruehjahr kitzeltest du stets meine nase so wild. hatschi!
mach´s gut, du froehlicher spatz, der du dich so oft auf meinem koerper tschilpend niederließest. ich gab dir brot und liebe...
macht´s gut, ihr auf den schienen sausenden trambahnen, ihr stinkenden automobile, die ihr nichts anderes seid als allgegenwaertige symbole des menschlichen wahnsinns. moeget ihr bald verdursten.
macht´s gut, staub und schmutz der großstadt. in meiner lunge trage ich euch als andenken.
macht´s gut, ihr konsumfetischisten, monopolkapitalisten und wohlstandsbettler, ihr alkoholiker und kokainnasen, ihr egomanen, karrieristen und verlierer der leistungsgesellschaft. ich werde euch nimmer mehr hoeren, sehen, spueren.
macht´s gut, ihr schreienden und brennenden kanaele: radio, tv, telefon, internet...
macht´s gut, ihr un-, halb- und ganz gebildeten, ich vermache euch meine hunderttausendbuechrige bibliothek und obendrein ein paar ueberfluessige letzte worte.

na, genug geschwallt.

es ist mein schwan, auf dem ich sitze und mit dem ich steige
immer weiter in die tiefen des himmels.

heute sehe ich das reine licht,
heute treff´ ich die sonne.

die sonne!


© 2006 by Arne-Wigand Baganz


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