Turin und Rom in der Zeit des Faschismus. Mitten in ihr steckt Pablo, ein
gitarrespielender Tagedieb, doch geht ihn alle gesellschaftliche Realität
und Politik nichts an, er lebt für die Mädchen, Tanzflächen, Restaurants
und Cafés; das ist der Käfig, in dem er von Gitterwand zu Gitterwand
kriecht - eine Welt dahinter gibt es für ihn nicht. Sein ganzes Dasein:
belanglos. Pablo hat Talent, könnte eine Karriere als Solist machen, aber
wozu? Am liebsten spielt er doch für sich selbst und Leute, die etwas davon
verstehen, nicht für die Masse, die sich nur darin gefällt, laut zu
krakeelen und für die alle Kunst ein bloßer Vorwand ist, um dürftigen Spaß
zu treiben.
Seine Zeit verschwendet Pablo mit Linda, einer gewissenlosen Dame, die von
Bett zu Bett hüpft und in allen und allem immer nur ihren eigenen Vorteil
sucht. Noch vor kurzem war sie mit Amelio zusammen, der aber ist durch
einen Motorradunfall und seiner daraus resultierenden Lähmung uninteressant
geworden. Amelio war einmal auch Pablos Freund ---
Und so plätschert alles vor sich hin, dass man selbst als Leser bald
ziemlich angeödet ist von Pablos Leben. Bis zur Mitte des Buches muss man
sich durch seinen Beziehungskäse kämpfen, dann darf man sich an
wesentlichen Änderungen freuen: Pablo verlässt Turin und fährt in einem
Lastwagen nach Rom. Er kriecht durch die Gitter seines Käfigs, lässt die
armselige Kleinbürgerlichkeit hinter sich und tritt in die wirkliche Welt.
Rom, die Hauptstadt der Schwarzhemden, in die man kommt, "um Speck anzusetzen". In ihr gehen Pablo allmählich die Augen auf, er ist nicht länger betäubt
von der schmutzigen Liebe, dem Rausch der ewigen Lustwandeleien; die
passive Kugel rollt nicht mehr so, wie es sich die herrschenden Verbrecher
wünschen. Sein Freund Carletto erklärt Pablo, dass auch er einen Teil der
Schuld an den gesellschaftlichen Zuständen trage: "Ich gehörte zu den vielen, die nichts täten und alles nur mit
ansähen. Wie hätten es denn die Faschisten gemacht? Sie hätten in die Hände
gespuckt. Hätten Rom genommen und in die Hände gespuckt. Auch wir müßten
uns zu einem Block zusammenschließen und Widerstand leisten".
Pablo nähert sich langsam den "roten" Kreisen, der
Widerstandsbewegung, an. Sie bestehen aus Leuten, die plötzlich
verschwinden können, weil man sie einsperrt, schlägt, verhört und ---. Aber
man lässt sich nicht von der Gefahr für Leib und Leben einschüchtern,
veranstaltet konspirative Treffen, druckt Flugblätter, agitiert im
Untergrund. Der Faschismus muss überwunden werden, dafür ist man bereit,
auch persönliche Opfer zu erbringen.
Die Welt sieht traurig aus. Die Faschisten sitzen in Spanien, Deutschland,
Italien. "[...] die Bürgerlichen verteidigen ihre Teller und ihre Taschen. Um
ihre Futterkrippe nicht zu verlieren und sich nicht aus dem Sattel heben zu
lassen, sind sie bereit, die halbe Welt umzubringen und selbst Kinder
abzuschlachten. Auch in Italien wird es noch so kommen, da kannst du sicher
sein. Und reden werden sie dabei vielleicht auch noch von Gott und deinem
Mütterlein" - erzählt Scarpa, Kämpfer der Interbrigaden in Spanien, Pablo, der ihn für
einige Tage bei sich in der Werkstatt beherbergt.
Paveses Buch ist wichtig, auch heute noch. Es zeigt dem Leser den
faschistischen Alltag Italiens, von dem man in Deutschland kaum etwas
weiss, da sich alle anderen Rechtsdiktaturen der damaligen Zeit gegen den
Nationalsozialismus wie eine Fliege gegen einen Elefanten ausnehmen, aber
man sollte trotzdem schauen, wie es die anderen getrieben haben, nur so kann man aus der Geschichte ganz gründlich etwas lernen.
Paveses Buch zeigt auch, wie sich die kleinen Leute in ihrer
selbstgefälligen Blindheit mit dem System arrangiert haben, und dass es
doch möglich war, diese bequeme schädliche Haltung zu überwinden und etwas
zum Widerstand beizutragen. Daran sollte man auch heutzutage etwas öfter
denken und besser noch: die Konsequenzen daraus ziehen und endlich danach
handeln.