Das Buch beginnt sehr vielversprechend, indem es den Selbstmord als einzig
ernstes Problem der Philosophie darstellt, also ob das Leben lebenswert sei
oder nicht. Alle anderen Fragen kämen danach. Diese Feststellung ist im
ersten Absatz getroffen, danach wird das Buch leider etwas undurchsichtig
und inkonsequent, wie es mir scheint. Hin und wieder tauchen geniale Sätze
und Gedanken auf, aber ich glaube, das alles hätte man ohne Verluste an der
Aussagekraft auch viel kürzer fassen können.
"Der Mythos von Sisyphos" (1942) enstand in etwa zeitgleich mit
dem großen Roman "Der Fremde" und wurde (fälschlicherweise) als
philosophische Erklärung für dieses Werk angesehen.
Für Camus ist die menschliche Existenz absurd. Dies versucht er durch
verschiedene Beispiele zu belegen (an Casanova, Theaterspielern, Künstlern,
im Roman). Der Mensch könne der Absurdität nicht durch Metaphysik, Religion
oder Rationalismus entrinnen, sondern müsse ihr durch ein permanentes
Auflehnen entgegentreten.
An dieser Stelle kommt auch der Mythos von Sisyphos ins Spiel. Einen
Ausschnitt aus diesem Teil des Buches habe ich übrigens hier gefunden.
Der antike Held Sisyphos ist von den Göttern zu einer absurden Existenz
verurteilt, da sein Dasein mit unnützer und sinnloser Arbeit gefüllt ist:
er muss einen Stein einen Berg heraufrollen. Jedes Mal, wenn er es dann
geschafft hat, rollt der Stein den Abhang wieder hinunter und alles beginnt
von neuem - und so geht es weiter, immer wieder.
"Es gibt kein Schicksal, das durch Verachtung nicht überwunden werden
kann." meint Camus zu Sisyphos. Trotz aller Qualen könne man dem Leben
etwas positives abgewinnen.
Und so endet das Buch mit der durch den Buchtext leider nicht wirklich
untermauerten Schlussfolgerung:
„Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir
müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen."