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Mann, Klaus -
Der fromme Tanz Da zieht einer, er ist erst 18, aus in das Leben, wie so viele vor ihm
schon auszogen. Auf sich allein gestellt ist er, weiß nicht, wohin die Wege
ihn führen werden. Andreas Magnus ist sein Name, die künstlerischen
Ambitionen hat er wohl von seinem durch und durch protestantischen Vater.
Noch will Andreas die Gestaltung seiner Werke, die er anpackt, nicht recht
gelingen. Denn unverdient, unerlitten und unbegriffen steht die Welt vor
ihm, darin auch das große Berlin der 1920er Jahre enthalten ist. Dorthin
zieht es ihn, er hat so einiges zu erleben, aber die wenigen Ersparnisse
sind bald verstreut. Darum gilt es, sich selbst zu ernähren: Andreas findet
Beschäftigung in einem Kabarett, anzügliche Gedichte trägt er dort vor und
Herren gibt es, die ihm hin und wieder einige Mark zustecken... Jeder
schlägt sich so, wie er kann, durch, auch die anderen jungen Leute in der
Pension, in der Andreas Unterkunft gefunden hat. Es ist das Leben einer
haltlosen Jugend, herausgeboren aus Weltkrieg und Novemberrevolution. Man
kennt nur eines, das ist: Die Leere zuschütten: Sinnsuche in der Mystik,
ausschweifende Feier, der weiße Nebel des Kokains. Aber die Ahnung einer
heraufschleichenden Katastrophe, unausweichlich und ungeheuer, mag nicht
verblassen.
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