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Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Große Dichter persönlich kommentiert

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Eine Art privater Poetenkanon, der noch nicht fertig zusammengestellt ist

Hier finden Sie eine Auflistung von Dichtern, deren Werke ich gelesen habe und zu denen ich in lockerem Stil einige höchst subjektive Anmerkungen machen wollte. Dort, wo ich sie griffbereit hatte, habe ich kleine anschauliche Textbeispiele gegeben.
Sie können diese Seite gern zur eigenen Inspiration nutzen – oder auch zum Anlass nehmen, komische Dinge über mich, ihren Verfasser, zu denken.
Behandelt werden ausschließlich bereits verstorbene Dichter. Zu einigen von ihnen können Sie auf dieser Webseite auch Artikel, Rezensionen und manchmal sogar Widmungsgedichte finden, die ich im Laufe der Jahre verfasst habe. Die Suche hilft Ihnen vielleicht dabei.

Diese Seite wird fortlaufend aktualisiert und ist daher ein Werk in Arbeit. Setzen Sie sich also gern ein Lesezeichen und schauen gelegentlich vorbei.
Die Dichter sind hier übrigens nach ihrem Vornamen alphabetisch sortiert.

Letzte Aktualisierung: 20.01.2023

Arno Holz

* 26.04.1863 in Rastenburg – † 26.10.1929 in Berlin

Der Name des kuriosen Ostpreußen Arno Holz ist mir erst kürzlich begegnet. Sein theoretisches Werk «Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze» (1891) ist natürlich eine Frechheit, vielleicht aber nur als Witz gedacht, das «Buch der Zeit. Lieder eines Modernen» (1885) hingegen ist ein außergewöhnliches, fröhliches bis spöttisches Gedichtbuch mit über 500 Seiten. Viel wird darin noch gereimt, das aber zumeist sehr flott, manchmal jedoch auch etwas rauschhaft-langatmig.
Arno Holz hat sicherlich ein wenig zu viel von seiner eigenen Dichtkunst gehalten und gern gegen Zeitgenossen ausgeteilt, aber trotzdem ist er meiner Meinung nach ein Dichter, den man mal gelesen haben kann. Er ist erfrischend anders.

Zitat:

Geisterduo
Der Zeitgeist brennt wie trocknes Stroh
Und singt: "In dulci jubilo!"
Der Weltgeist brummt dazu im Baß:
"O vanitatum vanitas!"



Else Lasker-Schüler

*11.02.1869 in Elberfeld – † 22.01.1945 in Jerusalem

Sicherlich tue ich ihr ein wenig Unrecht, aber von Lasker-Schüler haben mich nur die ersten vier Zeilen ihres Gedichtes, das sie Georg Trakl nach seinem Freitod gewidmet hat, berührt, diese aber dafür unbeschreiblich intensiv. Ich weiß nicht, wie oft ich sie schon gelesen habe – oder sie mir einfach so in den Sinn gekommen sind.

Zitat:

Seine Augen standen ganz fern.
Er war als Knabe einmal schon im Himmel.

Darum kamen seine Worte hervor
Auf blauen und weißen Wolken.

Aus: Georg Trakl



Friedrich Gottlieb Klopstock

* 02.07.1724 in Quedlinburg – † 14.03.1803 in Hamburg

Ich kann mich an keine von Klopstocks Oden erinnern, aber sein Opus magnum, sein Lebenswerk, ist ja auch der «Messias, Gesänge I–XX» (1748-81). Obwohl er eine beachtliche Fleißarbeit darstellt und seine Sprache sehr erhaben ist, ist er vom weltlichen Erfolg her betrachtet weder die deutsche «Göttliche Komödie» noch «Das verlorene Paradies». Mir gefällt er, auch wenn er wegen seiner Bewegungsarmut nicht besonders lesefreundlich ist. Lesefreundlichkeit ist ja sowieso nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal. Zugeben muss ich allerdings, dass ich den Messias auch nach Jahren noch nicht durchgelesen habe, aber ich gebe nicht auf. Er belohnt einen öfter einmal mit äußerst feinen, gekonnt gebildeten und manchmal auch rührseligen Textstellen, selbst wenn man beim Lesen immer wieder den Faden verliert.

Zitat:

Da kam ich vom Wipfel der rauschenden Palmen
Unsichtbar her und kühlte den Knaben mit lieblichen Lüften.
Aber er weinte schon dazumal mehr, als die Sterblichen weinen,
Wenn sie mit dunkler Empfindung den Tod von ferne schon fühlen.
Also bracht er bei jeglicher Träne, die Freunde vergossen,
Zärtlich gerührt, beim leichtesten Schmerz der Menschen empfindlich,
Seine wehmütige Jugendzeit hin.

Aus: Messias



Friedrich Hölderlin

*20.03.1770 in Lauffen am Neckar – † 07.06.1843 in Tübingen

Für Thomas Bernhard und auch mich ist Hölderlin der wichtigste klassische deutsche Dichter überhaupt, weit vor Goethe oder Schiller. Wie keine zweite hat seine Dichtung einen plausibel umgesetzten Anschluss an das griechische Altertum gefunden; keiner konnte die Worte so schmiegsam setzen wie Hölderlin, der deutsche Pindar.

Zitat:

Da ich ein Knabe war,
Rettet' ein Gott mich oft
Vom Geschrei und der Rute der Menschen,
Da spielt' ich sicher und gut
Mit den Blumen des Hains,
Und die Lüftchen des Himmels
Spielten mit mir.

Aus: Da ich ein Knabe war



Friedrich Nietzsche

*15.10.1844 in Röcken – † 25.08.1900 in Weimar

Nietzsche, der große Meister der deutschen Sprache, ist den meisten eher als Philosoph bekannt, er hat allerdings auch etliche wohlgeformte Gedichte ohne jeden Sprung und Riss geschrieben, Gedichte, die uns ein wenig in seine verdüsterte Seele schauen lassen, damit wir diese und auch den Philosophen als Mensch besser begreifen können.

Zitat:

Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n,
Weh dem, der keine Heimat hat!

(Aus: “Vereinsamt”)



Georg Trakl

* 03.02.1887 in Salzburg – † 03.11.1914 in Krakau

Ende der 1990er erwarb ich «Das dichterische Werk: Auf Grund der historisch-kritischen Ausgabe von Walther Killy und Hans Szklenar» von Georg Trakl. Keine zweite Gedichtbeschaffung hat mich so sehr beeinflusst wie diese. Trakl war der Dichter des Verfalls, der mit seinen Worten dunkle, immer ergreifende Bilder malen konnte, die zudem wunderbar klingen, weil er ein sehr feines Gespür für das Zusammenspiel der Vokale in den Versen hatte. Gesondert erwähnen muss ich Trakls leider nicht sehr zahlreiche Prosagedichte: Sie sind von umwerfender Genialität. Vielleicht auch bemerkenswert, aber nicht empirisch belegt: In Trakls Texten findet sich, soweit ich mich erinnern kann, kein einziger Gedanke.

Zitat:

Einsamer unterm Sternenzelt
Geht durch die Mitternacht.
Der Knab aus Träumen wirr erwacht,
Sein Antlitz grau im Mond verfällt.

Die Närrin weint mit offnem Haar
Am Fenster, das vergittert starrt.
Im Teich vorbei auf süßer Fahrt
Ziehn Liebende sehr wunderbar.

Aus: Romanze zur Nacht



Heinrich Heine

*13.12.1797 in Düsseldorf – † 17.02.1856 in Paris

Das ”Buch der Lieder” (1827) war der erste Gedichtband, den ich mit vielleicht neun oder zehn Jahren mein Eigen nennen durfte. Ich hatte ihn von meinen Eltern geschenkt bekommen. Er blieb lange Zeit mein einziger. Natürlich habe ich damals nicht alles verstanden, was darin stand, aber der Zauber der Worte hat mich schon damals ergriffen und ich habe immer wieder gern in diesem Buch gelesen.

Zitat:

Mir träumte einst von wildem Liebesglühen,
Von hübschen Locken, Myrthen und Resede,
Von süßen Lippen und von bittrer Rede,
Von düstrer Lieder düstern Melodien.

Aus: Traumbilder



Peter Rühmkorf

* 25.10.1929 in Dortmund – † 08.06.2008 in Roseburg

Ich kann nicht sagen, dass ich ein großer Rühmkorf-Fan bin, aber ich erkenne an, dass er mit seinen Gedichten etwas sehr eigenes geschaffen hat, das sich deutlich von anderen Dichtern abhebt. Rühmkorfs Gedichte sind meist sehr kompakt und vollgepackt, sodass ich in der Regel immer nur eines oder ein paar wenige am Stück lesen kann. Auffallend ist des Dichters Wortreichtum, wobei mir unklar ist, ob Rühmkorf nicht einfach nur ein geübter Benutzer von Nachschlagewerken gewesen ist. An sich stellt Wortreichtum aber auch keinen Wert dar, man kann selbst mit sehr einfachen Alltagsworten die erstaunlichsten Gedichte schreiben. Bei Rühmkorf finden sich gedankliche Tiefe und schnoddrige Flachheit oft zu einer reizenden Einheit gebunden, die letztlich doch immer gebildet strahlt.

Zitat:

"Was ist der Mensch?"
(sein Wesen?) – schwer zu fassen.
Lauter so Sprenkel, die nicht zueinanderpassen.
Von wo entsprungene, woraufhin vermengte?
Vielleicht, daß die mal jemand logisch aneinanderhängte.



Rose Ausländer

* 11.05.1901 in Czernowitz – † 03.01.1988 in Düsseldorf

Das erste Mal hörte ich den Namen von Rose Ausländer, als mir vor vielen Jahren jemand schrieb, dass meine damaligen Gedichte den ihrigen ähneln würden. Mich hat erst einmal der Name der Frau irritiert, ich stellte mir unwillkürlich eine Rose und einen Ausländer vor, aber ich konnte mich, obwohl es noch keine Wikipedia gab, versichern, dass er nicht ausgedacht war und tatsächlich einer Person gehörte, die Gedichte geschrieben hat. Ich meine, ein paar Liebesgedichte gefunden zu haben, nach denen ich entschied, dass der Vergleich wohl nicht als Lob gemeint war.
Ich stehe noch am Anfang, mir das umfangreiche Werk von Rose Ausländer zu erschließen, aber ich habe schon einige Texte gelesen, die wirklich exzellent geraten sind, Texte voller sanfter Intimität, die uns an das Zerbrechlichsein unserer Existenz erinnern, ohne je geschwätzig zu werden.

Zitat:

Augenblickslicht

Wie komme ich
über mich hinweg

Mein Schatten
steht mir im Weg
ich muß über ihn
hinwegspringen

ins Augenblickslicht
das mich erschafft

Ich esse trinke
mache die Uhr zum Zeugen
einer gefesselten Reise
um die Welt


Veröffentlicht am 18.01.2023

© 2023 by Arne-Wigand Baganz

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