Jetzt unter den gegebenen Umständen als Privatperson in die Ukraine zu
reisen, ist auch ein bewusster politischer Akt, weil man in ganz
bescheidenem Umfang dazu beitragen kann, dass eines der ruzzischen
Kriegsziele nicht erreicht wird:
Die Ukraine aus der europäischen Zivilisation, deren Teil sie ist,
herauszureißen und zurückzuholen in das trostlose ruzzische Reich des
Bösen, das früher schon ihr Gefängnis sein sollte. Man besucht die Ukraine
einfach weiterhin, auch wenn es etwas zeitintensiver als früher ist, weil
man kein Flugzeug mehr in das Land hinein nehmen kann; es ist also ein
wenig wie ganz früher, als die Anreise aus Deutschland auch nicht an einem einzigen Tag zu
bewerkstelligen war – aber den Aufwand ist die Ukraine immer wert gewesen.
Daran hat sich nichts geändert!
Das von ruZZland überfallene und terrorisierte Land auch jetzt zu besuchen,
kann für Ukrainer ein wichtiges Zeichen der Solidarität sein: Wir lassen
Euch nicht allein!
Es ist also ähnlich wie mit einer Liebe: Man steht zu ihr in guten wie in
schlechten Zeiten, duckt sich nicht weg, wenn sich der Himmel verfinstert
und taucht nicht erst wieder auf, wenn die Sonne sich zurückgemeldet hat.
Als wir zuletzt im Mai in der Ukraine waren, hatte die ukrainische
Grenzbeamtin, die uns bei der Ausreise abfertigte, leuchtende Augen. So
sehr hatte sie sich gefreut, dass wir ihr Land besucht haben. Natürlich war
sie ein wenig enttäuscht, dass wir nicht bis Kyjiw gefahren sind, aber wenn
das großartige Lwiw gleich hinter der Grenze liegt – ist das Weiterfahren
immer schwer …
Selbstverständlich muss man sich anständig benehmen, niemandem zur Last
fallen, etwas vorsichtiger als sonst sein, sich an die Regeln halten
(Sperrstunde etc.) und keinesfalls den unangenehmen Schaulustigen geben,
der Selfies oder sonstige Trophäen an Orten einsammeln möchte, an denen die
ruzzen gewütet haben. Es ist kein Spiel.
Und das Land ist auch nicht mehr das, was es vor dem 24.02.2022 war, das
ist klar, man hört Luftalarme, auf dem Land liegt ein Schleier der Trauer,
der verdammte Krieg ist allgegenwärtig, nicht nur auf den Friedhöfen, auf
denen es viel zu viele frische Gräber gibt; an der Front wird erbittert
gegen das Unmenschentum gekämpft … Und dennoch – es steht fest:
Wir lassen die Ukraine nicht allein!
