Cancer terrae
Da ist er.
Er wagt sich wieder hervor.
Nach jedem Zusammenbruch,
jeder Umbenennung
wagt er sich wieder hervor
aus seiner öden und glückfreien Heimat.
Seine feinfühligen Antennen spüren
unser Zagen und Schwächeln,
und er marschiert los, weil es für ihn “Angriff” heisst,
wenn wir ihm nicht Einhalt gebieten.
Mit seinen starken Dornen hakt er sich fest
in herrlichen, fremden Territorien,
seine hellsichtigen Augen spähen nach Beute,
seine spitzen Scheren klappern
und die Bosheit schwillt ihm den schwarzen Panzer,
man hört ihn knacken, aber er birst ja nicht!
Da also ist er
mit seinem grenzenlosen Hunger
nach Land und Leuten.
Er liebt das Blut,
er liebt die Zerstörung,
er liebt es,
wenn alle werden wie er.
Da also ist er:
Wieder,
wieder,
schon wieder!
Es läuft, es arbeitet,
es frisst und wächst:
Der Krebs der Erde.
© 2022 by Arne-Wigand Baganz
Vorheriges Werk:
« Keine Unschuld in einer Welt voller SündeNächstes Werk:
» Was Glück ist
Verwandte Texte
Der Erste
Beschreibung einer spät-antiken Trajektorie
Lyrik, 25.04.2026
Kartoffeln schälen
Das Schälen von Kartoffeln ist nicht immer vollkommen harmlos – und damit sind nicht einmal Schnittverletzungen, die man sich dabei zuziehen kann, gemeint.
Lyrik, 10.02.2023
Zählen
In der quantifizierten Welt hat fast alles seine Zahl.
Lyrik, 15.10.2022