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Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Der Erste

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Als heiteres Kind schon
kostete er am Gestade 
des oft düster wallenden Pontus 
den weißen Schaum der Brandung –
wenig salzig durch den ständigen Zufluss
von Danuvius, Danapris und Danastris.
Mit den Händen setzte 
er ihn sich einst lächelnd
auf die Höhe der Stirn –
wie eine Krone,
während der Wind
leicht mit den Haaren spielte
und das ephemere Gebilde
rasch verwehte.

Am flachen Rande Europas
wuchs er groß,
im Schatten verborgen
von silbernen Linden,
flaumigen Eichen,
zähen Eschen.

Rot schien die Sonne
am Abend im Westen,
der Limitanei Waffen 
klirrten bisweilen hart –
und er lernte allmählich jedwede 
ihrer Künste und Schliche.

So eng wie arm 
erschien ihm auf Dauer 
das Heimisch–Vertraute, 
lockend aus der Ferne hingegen
die Kammern voller Gold 
und die üppigen Früchte,
so reich an Süße –
kaum geschützt hinter feiner, 
gar zu feiner Haut:

Die Kerne …

Und er machte sich auf
eines Tages,
beides zu greifen,
das Gold, die Früchte –
ungebändigt strömend 
gleich einem Fluss im Frühjahr,
brauste er mit seinen 
um ihn gescharten Leuten
der untergehenden Sonne entgegen,
die Gesichter gerötet durch ihren Schein,
an den schweren Stiefeln noch
den Schlamm der Ufer,
welcher schon bald
nach einigen geschickt 
angewandten Listen und wenigen 
fast nebensächlichen Kämpfen
sämtliche marmornen Säle 
des überraschten, übertölpelten 
Zentrums unfein verdunkelte.

Man hört sie noch heute 
hohl hallen:

Die festen, soldatischen Schritte,
klatschend wie ein Echo
der brandenden See –
während er selbst längst
sanft im lispelnden Flusse ruht.


© 2026 by Arne-Wigand Baganz

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