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Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Am Schwarzen Meer

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Den Körper entfernt,
blüht der Geist weiter:

Am Rande des Reiches
sammelt er 
die noch immer 
leicht fließenden
Gedanken, 
   Worte und
      Sätze,
klagende Lieder 
und schwarze Episteln
in stets passenden
Gefäßen.

Er knetet sie streng:

Buchstaben-Legionen
lebend geboren –
in stillsten Stunden.

Sie kehren allein,
kehren ohne ihn,
der sie erschafft,
heim
aus abseitigem Ort,
den man 
zu Zeiten der Argonauten
noch Tomoi genannt:

Der rachsüchtigen Medea Opfer,
Absyrtos, das unschuldige Kind,
von ihr ruchlos zerstückelt,
um die nahenden 
Verfolger zu hemmen,
und dann in die hungrigen
Wogen geworfen,
fand hier in Resten
ewige Ruhe,
da Aietes, Sohn des Helios,
sich ihrer sie auflesend
und ordnend annahm.

Der Verbannte aber
ruhet nie.

Oh, Tomis, 
wo Wind, Meer 
und entfesselter Sturm
den trüb Trauernden 
immerfort treiben!

Das scharfe Geschrei 
rastloser Möwen
zerreißt seine 
sehnende Seele,
als verfinge sie sich
hoffnungslos strampelnd
in aus Rasierklingen gebildeten 
stählernen Spinnennetzen.

Und er träumt doch
weiter und weiter
vom fernen
Haupt der Welt …

Oh, Weh und Ach!

Pontos Axeinos,
Pontos Euxeinos –
es nimmt ja das Leiden 
kein Ende,
und ganz gleich,
mit welchem Attribut sie 
die gleichgültig und unablässig 
schwappenden Wasser
bezeichnen:

Über dir, launiger Pontos,
erhob sich doch längst 
unverkennbar strahlenden 
Glanz verbreitend,
ganz traulich das stets
schaffend tätige 
Talent –
einer mächtigen 
zweiten Sonne.


© 2025 by Arne-Wigand Baganz

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