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Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Flamme und Flammen

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Das schreckliche Jahr 
der Hyperinflation 
brachte auch dich
bodenverbundene Seele,
in diese Welt, 
in ein Leben,
von dem du nie
viel preisgabst.
Einiges ist 
dennoch bekannt:
In den Dreißigern
sangst du im
dunklen Rock und
in weißer Bluse
mit deinesgleichen
“fröhliche Weisen”,
Lieder an Lagerfeuern –
Erlebnisse,
an die du immer gern
und reichlich unbefangen
zurückdachtest,
denn wie konnte etwas
im Nachhinein nicht mehr schön sein,
wenn es im Moment 
doch so schön war?
Und blieb nicht ohnehin der,
wer je die Flamme umschritt,
stets ihr Trabant?!

Auf dem städtischen
Heimat- und Schützenfest,
heißt es, schenkte die Familie 
Bier an einem eigenen Stand aus.
Deine nimmermüden Hände 
bearbeiteten die Erde,
ernteten Spargel, Erbsen, Tomaten
und so vieles anderes, 
was auf ihr gedeiht,
Jahr für Jahr.
Deine geschickten Hände 
buken Kuchen und schufen 
schmackhafte Gerichte,
Tag für Tag.
Gern schnitt als Kind ich
Dir die Petersilie
und wünschte mir,
dass du die 100
erreichen würdest,
Knoblauchpastillen
sollten dabei helfen,
doch wir beide wussten,
dass es ein Scherz war,
wir machten ihn immer wieder
und lachten.

Du wurdest keine 100
und dein Geist
trübte sich ein am Ende,
doch war noch etwas 
zu erzählen, 
unbedingt etwas
mitzuteilen:

Die Zerstörung der Stadt,
die voller Flüchtlinge war,
als Phosphor Fachwerk traf,
sehr spät im Krieg,
was besonders bitter 
erschien, ein Akt,
der am sachlichsten 
vielleicht noch
mit dem Wort
“überproportional”
benannt werden kann …

Du sahst es brennen
viel heißer noch
als den auf den Frühling
des Zusammenbruchs
folgenden Sommer
aus der Ferne
auf dem Feld.

So heiß, sagtest du,
wäre dieser Sommer gewesen,
so unheimlich heiß …


© 2026 by Arne-Wigand Baganz

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