Das handgeschnittene maigrüne Plektrum schlägt wie ein übergroßer platter Tropfen die vor Jahrzehnten schon korrodierten Saiten der Mandoline, welche der in mancherlei Kunst begabte Vorvater einst entwarf und baute. Doppelt schwingen sie, leicht verschoben, wallend, wogend, die eine, die andere mittel- alterlich oder fast orientalisch anmutende Melodie entfaltend … Es klingt und klingt und da ist mit einem Mal direkt vor den Augen ein zugezogener Vorhang – riesig, samten und schwarz, der sich Note für angeschlagene Note gelind wieder auftut, und es zeigt sich dahinter ein reiches, reichlich verwirrendes Leben, gebildet aus ausufernden Wagner-Opern, grauen Kriegsschiffsmodellen und anderen fein gemachten Schnitzereien. Vieles jedoch ist nicht zu erkennen. Und dann fällt ein Grußfoto mit geradem oder gewelltem Rand langsam trudelnd wie eine Feder Richtung Boden und zeigt den noch jungen Mann als strahlenden, stahlbehelmten Krieger in irgendeinem Frühling, irgendeinem Sommer. Bald darauf erscheinen der zeitlichen Reihe nach die in eine brennende, später verbrannte Welt geworfenen Kinder, welche ihr Sein leichter, schwerer oder gar nicht tragen … Die auf den Korpus ererbten Instruments gemalten Blumen, von rissigem Lack geschützt, rühren sich wundersam, wachsen waagerecht vertikal diagonal in den freigegebenen entleerten Raum hinein: Wohlauf, klingt und singt es, in Gottes schöne Gefüge! Ade …