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Die Mandoline

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Das handgeschnittene
maigrüne Plektrum
schlägt wie ein übergroßer
platter Tropfen
die vor Jahrzehnten 
schon korrodierten Saiten
der Mandoline, welche der
in mancherlei Kunst
begabte Vorvater einst 
entwarf und baute.

Doppelt schwingen sie,
leicht verschoben,
wallend, wogend,
die eine,
die andere mittel-
alterlich oder fast
orientalisch
anmutende Melodie
entfaltend …

Es klingt
und klingt
und da ist 
mit einem Mal
direkt vor den Augen
ein zugezogener 
Vorhang –
riesig, 
samten und schwarz,
der sich Note für 
angeschlagene Note
gelind wieder auftut,
und es zeigt sich dahinter
ein reiches,
reichlich verwirrendes
Leben, gebildet aus 
ausufernden Wagner-Opern,
grauen Kriegsschiffsmodellen
und anderen 
fein gemachten Schnitzereien.
Vieles jedoch 
ist nicht zu erkennen.
Und dann fällt ein Grußfoto
mit geradem
oder gewelltem Rand 
langsam
trudelnd wie eine Feder
Richtung Boden
und zeigt den noch jungen
Mann als strahlenden,
stahlbehelmten Krieger
in irgendeinem Frühling,
irgendeinem Sommer.

Bald darauf erscheinen
der zeitlichen Reihe nach
die in eine brennende,
später verbrannte Welt
geworfenen Kinder,
welche ihr Sein 
leichter, schwerer
oder gar nicht tragen …

Die auf den Korpus
ererbten Instruments
gemalten Blumen,
von rissigem Lack geschützt,
rühren sich wundersam,
wachsen 
waagerecht
   vertikal 
      diagonal
in den freigegebenen 
entleerten Raum hinein:

Wohlauf,
klingt und singt es,
in Gottes schöne Gefüge!

Ade …


© 2026 by Arne-Wigand Baganz

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