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© 1999-2026 by Arne-Wigand Baganz

Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Hegemonikon

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Die wohlberechneten und
gut sitzenden Schläge 
der Gegenseite einstecken,
weil im Moment sich wehren,
und sei es nur durch wenige 
klare harte Worte,
für einen noch schwerere
Schmerzen im gegebenen
Rahmen zur Folge hätten.

Also ruhig, ruhig Blut –
und tonnenschwere Klarheit.

Erhebe, arme Seele,
dich jetzt über die giftigen 
Tropfen der Niedertracht,
die wie ein schwarzer Regen, 
als wollte er nimmer enden,
auf dich herniederprasseln.

Die sichtschärfende Brille aufgesetzt,
das unbändig bebende Herz 
zeitweise in feste Fesseln gelegt,
die Zunge schlaff
aber noch zuckend
streng hinter weißen 
Palisaden gehalten …

Ruhig, ruhig Blut –
und tonnenschwere Klarheit.

Es ist kein Trost,
keinesfalls ein Trost,
es herrscht das unerbittliche
Gesetz der Entropie
auch zwischen Menschen:

Die empfangene,
die erlittene negative Energie,
löst sich nicht in nichts auf,
muss irgendwo bleiben,
verarbeitet werden,
bis sie sich vielleicht
irgendwann so weit /
so breit verteilt hat,
dass man sie nicht mehr 
als zusammenhängendes
Ganzes erkennen kann.

Jeder Schlag
hat seine Halbwertzeit.

Jeder.

Was tun?

Der Möglichkeiten sind einige.

Man könnte auf das Niveau 
der Antagonisten herabsinken 
und das Empfangene ebenso,
auf gleiche Art weitergeben
oder einsam in düsterer Bitterkeit ertrinken,
sich in verzweifelten Entladungsgesten 
kreativ auslassen oder einfach nur 
immer wieder betrinken …

Man könnte in 
kümmerliche Krankheit, 
wilden Wahn oder sich
in ein viel zu kühles 
Grab flüchten, 
das dunkelgrüner Efeu 
stumm bewächst.

Man könnte.
Man könnte.

So viele Möglichkeiten,
Erlösung aber – 
die bietet keine.

Auch dieses ist 
gesetzt-gewiss:

Weil alles mit allem
zusammenhängt,
weil ein verbindendes Gewirr 
feiner Fäden
die ganze Welt durchzieht
wie ein kosmisches Netz,
das weder ein Fischer
noch ein Gott ausgeworfen,
geht es auch 
immer um alles –
kein My, 
kein Lot,
kein Quäntchen weniger.

Die Unaufrichtigkeit,
der Charaktermangel,
die Gefühlsblindheit –
aus dem Leiden des einen
wird allzu oft das Leid 
des und der anderen.

Wäge daher jeder 
seine Taten wohl!

Wäge er wohl –
wähle er wohl.


© 2026 by Arne-Wigand Baganz

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