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Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Kazapistan

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Goldene Dome im einigermaßen gut
abgedichteten Kühlschrank der Welt,
wölben sich deutlich zu plump, 
um irgendwen zu blenden.

  Der Wind schweigt.
  Die Vögel schweigen.

Goldene Dome im einigermaßen gut
abgedichteten Kühlschrank der Welt
sind bespannt mit den
glitzernden Tarnkappen 
eines tückischen Teufels bloß,
der einst mit durch Verrat erschlichenen
Nuklearwaffen nun täglich spielt
wie ein gelangweiltes Kind,
das einmal feuerspendende 
Streichhölzer fand oder zuvor 
harmlose Essstäbchen
heimlich anspitzte,
um die Eltern oder kleine, 
wehrlose Tiere zu ärgern.

Goldene Dome …

Was ist das denn für ein 
seltsames Reich
der goldenen Dome?

In seinen Straßen, Alleen, 
auf seinen weiten Plätzen:
Dunkle Weltkriegspanzer und 
pathetisch starrende
metallene Massenmörder
auf granitenen Denkmalsockeln –
niemals umzustoßen.

Sie schmücken des Landes 
gottlose Städte.

Die großen Bücher des Reiches
vor langem schon geschrieben,
ihre Autoren sämtlich verstorben,
auf unfriedlichen Höfen liegend:

Aus blutigen Tränen, die man
unzähligen Passionsfrüchten 
mühsam abzwang,
sind ihre heiligen Schriften gekeltert.
Und auch die so oft noch von vielen 
hochgeschätzte Musik:

Sie ist gemacht aus Noten 
von tiefster Schwärze, 
die wie Fleischfetzen
in fünffach vertikal gestapeltem,
rostigem Stacheldraht 
dauerhaft gefangen 
zitternd hängen.

  Uuh–eehh…

Daneben kitzeln seit eh und je
hölzerne Wachtürme im Schnee
niedrig fliegende Unwetterwolken
und lassen ihre grellen Scheinwerferlichter
immer grob die Gegend durchpeitschen:

Keine menschliche Regung
bleibt unentdeckt, ungestraft!

Die Gesänge, die ergreifenden Gesänge,
die sich allerorts immerfort erheben,
sind hurra-tiges Kriegsgeschrei 
und wallende Propagandanebel –
zu schwachen Köpfen 
zielgerichtet vorgetragen.
Sie sitzen fest auf gefügigen Sklaven,
die dauertraumatistiert durch 
Jahrhunderte der Gewalt,
festgeklebt im Leim 
weinerlicher Passivität,
stets bereit
zu schauerlichen
neuen Verbrechen –
auch alles duldend
ertragen.

Und trotzdem:

Die Schränke 
der Bewohner des Reiches
sind ja gut gefüllt,
sind vielfältig und bis oben, 
sind üppig gefüllt
mit Menschenresten:

Mit Armen, Beinen, 
Nasen, Ohren, Zungen,
mit ganzen Köpfen
jener armen Kreaturen,
die nicht mitsingen,
die nicht schweigen
wollten,
die erfolglos zwar 
aber doch 
für ein besseres 
Leben kämpften.

Uneinsichtige Narren!
Verirrte Irre!
Die Tollhäuser stehen 
ihnen offen.

Wer vernünftig ist,
wird schon wissen,
dass der Status quo
alternativlos ist:

Millionen Untertanen lernen
von klein auf, 
einander zu quälen,
sie lernen das 
rücksichtslose Erobern;
Millionen Untertanen lernen 
das kalte Töten –
über Generationen hinweg 
lernen sie dies
und dergleichen –
und vor allem niemals 
irgendeine Hoffnung
zu haben.

Sie lernen, lernen, lernen.
Und nochmals:

Sie lernen!

In Pfützen, Bäche, Flüsse,
Seen und Meere,
klar und feurig brennend,
tauchen sie indes
des Tages 
und in den Nächten
ihre nach Vergessen
dürstenden Seelen!

Nichts aber, 
was auf dieser Welt 
vor den Augen Gottes 
geschieht,
wird vergessen,
sie jedoch 
erinnern sich immer nur
an nichts –
nichts 
als ihre 
siegreichen Schlachten.

  Uuu-rraa!

Lohnt sich der ganze 
fürchterliche Aufwand
am Ende nicht?

Die Museen ertrinken doch
in anmutig anzuschauender
Raubkunst,
und freundlichere fremde Territorien 
hält das Riesenland mit eisernen Händen 
und erdrückenden Stiefeln 
besetzt,
ganze Völker
hält es gefangen:

Völker, deren Säfte es abzapft 
und die es oft 
über tausende Kilometer
in dicken Röhren
in sein finsteres Herz leitet.

  Bumm–bumm…

Das macht es so stark,
macht es so groß.

Oh, diese gewaltige Größe!

Ach, diese gewaltige Größe!

Quell allen Stolzes,
aber wie leer sie ist!

Und wie hohl erscheint dieser Stolz
auf wiederkehrende Landnahme,
auf am Reißbrett geplante
militärische Raubzüge,
auf frevelhafte Kindesentführungen,
auf die Ausdehnung allein 
um der Ausdehnung willen?!

Es ist der hochmütige Stolz des Krebses,
der Felder, Gebiete, ganze Länder 
allmählich schwärzt und so 
unheimliche, traurige Tode 
vorbereitet, alles auffrisst.

Seine niederträchtigen Zuarbeiter
und ausländischen Kollaborateure:

Mit Gas- und Ölgeldern
gekaufte Lumpen –
oder nur
gehirngewaschene eitle Toren,
die sich im Schatten Satans
mächtig und unbezwingbar 
fühlen.

Oh, verflucht seist du,
Kazapistan!

Verflucht seien deine Helfer!

Auf ewig verflucht seist du,
Kazapistan,
   du schlimmster
   Feind der Freiheit,
du schlimmster 
Feind der Menschen,
   du schlimmster 
   Feind des Lebens.

Verflucht-verflucht seist du,
Kazapistan!

   Verflucht!


© 2025 by Arne-Wigand Baganz

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