Er seufzte: “Willst du das wirklich wissen?”. Ich nickte ihm zu und antwortete: “Unbedingt”. Er hielt für einen Moment inne und fixierte meine Augen. Was versuchte er darin zu erkennen? In ihnen war doch nichts zu lesen, hoffte ich, und der Weg in meine Seele versperrt. Alles, was ich im Moment wollte, war, dass er mir erzählte, wonach ich ihn gefragt hatte, aber da begann er auch schon mit seiner Ausführung und ich lehnte mich erleichtert ein Stück zurück:
“Ich habe keine Angst vor dem Tod. Niemand in meinem Alter sollte sie haben, das wäre gut, aber ich weiss, dass es nicht so ist. Ich fürchte vielleicht, dass mein Tod mit Schmerzen verbunden sein könnte, aber ich habe genug von den Menschen und der Welt, in der sie leben, gesehen. Nicht immer war es nur schön, das ist ja vollkommen klar, aber wenn ich ehrlich bin, und das versuche ich stets zu sein, dann reicht die Quantität dessen, was ich erlebt habe – nun, für einige Leben aus. Ich bin nicht gierig, ich muss nicht noch mehr anhäufen von diesem und jenem, materiellem und immateriellem. Ich habe längst genug, und am Ende ist alles sowieso, das steht ja auch in dem Buch der Bücher, nur eitel Wind. Verstehe mich nicht falsch und schaue doch bitte nicht so entsetzt, als würde ich gleich die große Pforte zuschlagen wollen: Ich bin noch lange nicht müde, auch wenn ich merke, dass ich den Zenit bereits hinter mir habe, dass es jetzt ohnehin wieder langsam abwärts geht mit fast allem, aber ich habe überhaupt nichts dagegen, mich noch ein paar Mal um die Sonne drehen zu lassen. Vielleicht fordere ich mein Glück gerade unnötig heraus, das kann sein, aber ich muss jetzt tun, was ich tun muss. Wenn das Pech mich erwischt, werde ich es vielleicht trotzdem bereuen, das kann sein, aber wenn ich es nicht tue, sicherlich auch. Also werde ich es tun, das ist doch gewissermaßen logisch?”
Damit war seine Rede zu Ende. Ich wusste nicht, was ich ihm antworten sollte, da ich mich mit diesem Thema noch nie so wie er befasst hatte. Sollte ich versuchen, ihn von seinem Vorhaben abzuhalten? Nein, das war Unsinn. Er hatte mir doch gerade ausführlich erläutert, warum er sich so entschieden hatte, wie er sich entschieden hatte. Ich dankte ihm also für seine erklärenden Worte und wir wechselten das Thema, weil er auch lieber von anderen Dingen sprechen wollte, das hatte ich ja vorhin schon merken müssen, als er so seufzte.