Aktuell
© 1999-2026 by Arne-Wigand Baganz

Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Man muss das Leben lieben

Start > Prosa > 2017

Nun – was soll man machen? Man macht es noch einmal und einmal. Jeden Tag dasselbe. Noch einmal und einmal. Was soll man machen? Man muss es mögen. Und weiß ja doch: Nichts muss man mögen, nichts. Also, was soll man machen? Jeden Tag die selben Gesichter. Aneinander gereiht, auseinander gegangen. Noch einmal und einmal. Die selben Gesichter, die gleichen Sprüche, ähnliche Bewegungen, etwas variiert die Kleidung, immer wieder Autokrach, Vogelkrach, Kinderkrach, nichts als Krach, den ganzen Tag Krach: Nachbarkrach, Fernsehkrach, Ehekrach, Dauerkrach. Das ließe sich alles automatisieren. Roboter, die miteinander sprechen, sich kräftig ankrachen, stunden-tage-monate-lang, für immer Zeichen geben, sich gegenseitig überflüssig machen wie ihre Schöpfer sich selbst. Schnell, schneller. Dumpf, dumpfer. Schon lange ist die Gitarre nicht mehr richtig gestimmt worden. Schmutzige Finger mit schiefen Nägeln schürfen über die rostigen Saiten (puuuh!). Die Töne klingen wie dunkles Blut, vielleicht auch ein wenig heller, ich will nicht unbedingt negativ sein. Auf jeden Fall ist es die Melodie, die ich schon gestern, vorgestern, vor Jahren spielte. Was soll man machen? Man macht es noch einmal und einmal. Jeden Tag dasselbe. Noch einmal und einmal. Was soll man machen? Man muss das Leben lieben, sonst liebt es einen nicht. Sonst liebt es einen nicht.

© 2017 by Arne-Wigand Baganz

Note: 1 · Aufrufe: 1356

Ihre Bewertung dieses Textes:

Stichwörter
#Lärm #Leben 
Vorheriger Text:
« Revision der 11. Feuerbach-These
Nächster Text:
» Vom Sein durch das Wort

Verwandte Texte

aus dem nachlass
immer sucht er im boden nach steinen, wurzeln und vergangenem (leben). ganz tief kniet er in ewiger
Prosa, 10.04.2006

im spiralnebel des geistes
es ist alles ganz einfach, vielleicht aber auch ganz anders und sehr schwierig. man kann es nicht sa
Prosa, 19.11.2000

Unbewegt
Aufgezehrt alle Kräfte, das Herz verbrannt - so liegt er da und wüsste noch viele Wege zu gehen, abe
Prosa, 01.08.2002