Aktuell
© 1999-2026 by Arne-Wigand Baganz

Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Im Zeichen der Distel

Start > Artikel > 2020

Wir leben in seltsamen Zeiten, die die meisten (also die ehrlichen außer Bill Gates) so nicht vorhergesehen haben. Wir können an unserer Wahrnehmung zweifeln: Sehen wir Dinge anders, weil sich die Umstände geändert haben, oder sind die Dinge wirklich anders? Aus der menschlichen Perspektive ist es eigentlich egal, aber wir sind ja zu wissenschaftlich denkenden Bürgern erzogen worden. Wir dürfen und müssen an unserer Wahrnehmung zweifeln und suchen deswegen nach der objektiven Wahrheit, die es natürlich gar nicht gibt. Ich frage mich zum Beispiel, warum in Berlin jetzt plötzlich so riesige Disteln wachsen. Wirklich enorme Disteln, ungeheuer hohe Disteln, nahezu Monster pflanzlicher Art, die mit ihren waffenartigen Stachelblättern feist herumstehen, um Dich oder Dich oder Dich zu töten, zum Beispiel an gerölligen S-Bahn-Dämmen. Mag sein, dass sie in den letzten Jahren auch schon alle da waren; für mich sind sie vollkommen neu. Die Disteln in meiner Kindheit waren viel kleiner, zwar auch stachelig, aber ich lebte ja damals gar nicht in der Hauptstadt. Also, Ihr fiesen Berliner Hauptstadt-Disteln: Seid Ihr jetzt neu oder ist es nur neu, dass ich Euch bemerke, weil ich früher mit anderen Dingen beschäftigt war? Eine Antwort wird von ihnen nicht kommen, und so obsiegt meine Einbildung: Ja, diese Monster-Disteln sind eine Nebenerscheinung der Corona-Krise. Sie werden irgendwie von der saubereren Luft und der Stille am Himmel profitiert haben und davon, dass die Menschen andere Angelegenheiten in den letzten Wochen für wichtiger erachtet haben, zum Beispiel das Horten von Mehl- und Nudelpackungen und das Verbleiben in den eigenen vier Wänden.
Ist das jetzt bereits eine Verschwörungstheorie oder noch meine persönliche Dummheit? Da ich sehr wenig weiss, weiss ich auch das nicht. Kein Grund zum Traurigsein. Ich bin ja ein fröhlicher Mensch.

Veröffentlicht am 05.06.2020

© 2020 by Arne-Wigand Baganz

Aufrufe: 330

Ihre Bewertung dieses Textes:


Vorheriger Text:
« Die goldene Feder
Nächster Text:
» Hoyerswerda

Verwandte Texte

Am Grab von Ulrike Meinhof
Einige Gedanken zu der komplexen, tragischen und zugleich verbrecherischen Persönlichkeit der Kommunistin, Kolumnistin und Terroristin Ulrike Meinhof
Artikel, 25.07.2023

Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein (Rezension)
Über das Leben, Widerstehen und Sterben im Dritten Reich
Artikel, 08.09.2025

Hans Fallada: Ein Mann will nach oben (Rezension)
Eine abenteuerliche Zeitreise in das Berlin des frühen 20. Jahrhunderts
Artikel, 13.04.2025