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Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

An der Moldau

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Schöner wär’s gewiss
für das Gedicht,
wenn 
vor der Nase
auf der Moldau
in Prag
eine güldene Gänse-
leberpastetendose 
vorbeischwömme,
und nicht nur ein
aus Polymer 
gearbeiteter Miniaturbecher,
in dem sich einst
ganz schnöde Pflanzen-
margarine befand.
Schöner auch,
wenn es ein frischgelbes
Zitronenscheibchen wäre,
das ihm dicht 
auf dem trüben 
Wasser folgt,
aber es ist nicht einmal
ein sorglos entsorgtes 
Stück Apfel,
so ein weggeworfener
Fruchtschnitz,
sondern lediglich ein buntes,
von nahezu allen und allem
entfremdetes Blättlein 
mit runden Zähnen 
aus dem letzten, 
lichtarmen Herbst 
(bald kommt der nächste) –
ein dahingleitendes Blättlein nur
neben vielen anderen 
Blättern,
die braun bloß,
aber genauso stolz
sich dem von
irgendwelchen Naturgesetzen
verordneten Verfall
widersetzen!

Ach, seufze nicht.

Nehmen muss man 
schließlich alles,
wie es kommt,
wie es fließt,
so dunkel,
so undurchsichtig,
nichts anderes
bleibt einem übrig –
was auch immer 
einer tut,
solange er daran denkt,
vor allem
ein Mensch zu bleiben!

Ein Mensch.

Was noch aber
sieht jener,
der diese 
Zeilen schreibt?

Enthüllt und verraten sei
das allzu gewöhnliche 
Bild:

Petrolfarben
schimmern die Köpfe
leidlich ungenießbarer
Enten im schrillen Frühlingslicht,
scheinbar ziellos schwimmen 
die edlen Tiere umher,
rutschen immer wieder 
davon ab und erklimmen doch
endlich mit einiger Mühe
die knallgrün gestrichene Heckflosse
eines ausgedienten Schiffes,
das belebende Getränke
verkauft und / oder
Kunstwerke ausstellt –
je nach Tageslaune.

Das und nichts anderes
sieht er.

Sieht er. 
Sieht er.


© 2026 by Arne-Wigand Baganz

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