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© 1999-2026 by Arne-Wigand Baganz

Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Hotelnacht im 18. Stock

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Nicht Vogelgesang,
sondern das fiepende Schrillen 
von Federn
des Bettes im Nachbarzimmer
entfaltet eine lustige Melodie:

Da hält wohl einer intensiv
Abschied von seiner zeitlich 
beschränkten Intimbekanntschaft,
die er im Land der Freien
bald zurücklässt, 
indem er 
heim heim heimfliegt.

Von draußen jedoch
dringt durch die kleinen 
Hotelfenster
der stetig absteigende Ton 
einer Sirene,
die sich geschwind nähert 
und wieder – verschwindet.

Zwei- und Vierräder rasen unten
fortwährend über die sich
kreuzenden Straßen,
sporadisch begleitet vom Rattern 
der Abend- und Nachtzüge
auf der kaum geschützt liegenden
Meterspur,
auch der Airport Rail Link
lässt sich
noch ein paar Mal vernehmen.

Über den Gang schallt Husten,
noch und noch einmal Husten,
wie ein gut geeichter
aber lahmer Taktgeber.
Vom Bad nebenan machen sich
einlaufendes Badewannenwasser
und die aufgeregten Stimmen
einer Thai-Serie,
die bald wieder 
abgestellt wird,
bemerkbar.

Elevatortüren öffnen sich mürrisch
und metallisch scheppernd,
Schuhe und Sandalen
quietschen auf dem silbernen
und in die Jahre gekommenen
Kunststoffboden.
Holztüren, die Lichtritzen lassen, 
werden rasch aufgeschlossen
und heftig zugeschlagen.

Von außen gesehen erratisch 
springt immer wieder
das Aggregat des Zimmer-
kühlschranks an,
genauso erratisch
stoppt es.

Ein alter Nikotinschleier 
hängt hartnäckig in der Luft
und die Klimaanlage quält sich 
laut und nur im Ventilatormodus,
gegen all die anderen Geräusche
nicht vollkommen hoffnungslos 
aber doch unterlegen ankämpfend,
manchmal röchelnd,
fast wie schnarchend,
sodass das lyrische Subjekt 
manchmal denkt,
es wäre nicht allein
in seinem Doppelbett,
während es Morpheus´
leitende Hand
viel zu sehr
herbeisehnt.

Die etwa fünf möglichen
Stunden des Schlafs
wird das Smartband später
als 110 Minuten
Nickerchen auszeichnen,
dann muss auch 
das Subjekt aufbrechen
und zurück nach Kaltland.

Nach Kaltland.


© 2026 by Arne-Wigand Baganz

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