Nicht Vogelgesang, sondern das fiepende Schrillen von Federn des Bettes im Nachbarzimmer entfaltet eine lustige Melodie: Da hält wohl einer intensiv Abschied von seiner zeitlich beschränkten Intimbekanntschaft, die er im Land der Freien bald zurücklässt, indem er heim heim heimfliegt. Von draußen jedoch dringt durch die kleinen Hotelfenster der stetig absteigende Ton einer Sirene, die sich geschwind nähert und wieder – verschwindet. Zwei- und Vierräder rasen unten fortwährend über die sich kreuzenden Straßen, sporadisch begleitet vom Rattern der Abend- und Nachtzüge auf der kaum geschützt liegenden Meterspur, auch der Airport Rail Link lässt sich noch ein paar Mal vernehmen. Über den Gang schallt Husten, noch und noch einmal Husten, wie ein gut geeichter aber lahmer Taktgeber. Vom Bad nebenan machen sich einlaufendes Badewannenwasser und die aufgeregten Stimmen einer Thai-Serie, die bald wieder abgestellt wird, bemerkbar. Elevatortüren öffnen sich mürrisch und metallisch scheppernd, Schuhe und Sandalen quietschen auf dem silbernen und in die Jahre gekommenen Kunststoffboden. Holztüren, die Lichtritzen lassen, werden rasch aufgeschlossen und heftig zugeschlagen. Von außen gesehen erratisch springt immer wieder das Aggregat des Zimmer- kühlschranks an, genauso erratisch stoppt es. Ein alter Nikotinschleier hängt hartnäckig in der Luft und die Klimaanlage quält sich laut und nur im Ventilatormodus, gegen all die anderen Geräusche nicht vollkommen hoffnungslos aber doch unterlegen ankämpfend, manchmal röchelnd, fast wie schnarchend, sodass das lyrische Subjekt manchmal denkt, es wäre nicht allein in seinem Doppelbett, während es Morpheus´ leitende Hand viel zu sehr herbeisehnt. Die etwa fünf möglichen Stunden des Schlafs wird das Smartband später als 110 Minuten Nickerchen auszeichnen, dann muss auch das Subjekt aufbrechen und zurück nach Kaltland. Nach Kaltland.