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© 1999-2026 by Arne-Wigand Baganz

Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Chumphon Monovision

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Beige-rot breitet sich der Bahnhof
entlang ansonst grün umwachsener
Schienenstränge aus.
Mit ihren Smartphones 
spielende Schulkinder
warten unter seinem Dach
auf den nächsten Zug,
der sie zurück zu ihren 
lieben Familien bringt.

Aus den Tiefen hervorsteigende
derbe Gammel- und Fäkaliengerüche
vermischen sich mit dem
exzessiv-floralen Tropenodor
der bunten Oberwelt,
wenn man zur Stadt ein paar 
Zentimeter hinabläuft.
Schwarze Dampflokomotiven 
stehen mit Chrysanthemenbändern 
geschmückt in der Straßenmitte
und erzählen stumm
Transportgeschichte,
während Scooter und Automobile immerfort 
an ihnen vorbeisausen.

Ein vierbeiniger Straßenvagabund,
die Vorderpfote links weiß, 
rechts schwarz,
die Zitzen am Bauch
lang und ausgmergelt,
liegt dämmernd im Schatten
eines Stromkastens
auf dem Gehweg und blickt
den Passanten, der ihn bald
in einem prosaischen Gedicht 
verewigen wird,
so summarisch traurig an
wie ein ganzes Hunderudel, 
um alsgleich seinen Kopf
enttäuschungsgesättigt
wieder zu senken.

Wo nur, fragt sich der Passant,
sind all seine 
Artgenossen hin? –
und weiß doch
keine Antwort.

Vor einer populären Bäckerei,
weiter in die Stadt hinein,
hängt ein einsamer Rotohr-Bülbül
den ganzen Tag über
in einem winzigen Käfig,
Freiheitslieder singend.

Unerhört und unermüdlich
Freiheitslieder singend.

Singend. 
Singend.


© 2026 by Arne-Wigand Baganz

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