Chumphon Monovision
Beige-rot breitet sich der Bahnhof
entlang ansonst grün umwachsener
Schienenstränge aus.
Mit ihren Smartphones
spielende Schulkinder
warten unter seinem Dach
auf den nächsten Zug,
der sie zurück zu ihren
lieben Familien bringt.
Aus den Tiefen hervorsteigende
derbe Gammel- und Fäkaliengerüche
vermischen sich mit dem
exzessiv-floralen Tropenodor
der bunten Oberwelt,
wenn man zur Stadt ein paar
Zentimeter hinabläuft.
Schwarze Dampflokomotiven
stehen mit Chrysanthemenbändern
geschmückt in der Straßenmitte
und erzählen stumm
Transportgeschichte,
während Scooter und Automobile immerfort
an ihnen vorbeisausen.
Ein vierbeiniger Straßenvagabund,
die Vorderpfote links weiß,
rechts schwarz,
die Zitzen am Bauch
lang und ausgmergelt,
liegt dämmernd im Schatten
eines Stromkastens
auf dem Gehweg und blickt
den Passanten, der ihn bald
in einem prosaischen Gedicht
verewigen wird,
so summarisch traurig an
wie ein ganzes Hunderudel,
um alsgleich seinen Kopf
enttäuschungsgesättigt
wieder zu senken.
Wo nur, fragt sich der Passant,
sind all seine
Artgenossen hin? –
und weiß doch
keine Antwort.
Vor einer populären Bäckerei,
weiter in die Stadt hinein,
hängt ein einsamer Rotohr-Bülbül
den ganzen Tag über
in einem winzigen Käfig,
Freiheitslieder singend.
Unerhört und unermüdlich
Freiheitslieder singend.
Singend.
Singend.
© 2026 by Arne-Wigand Baganz