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Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Sternfahrt

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Den ohne Atem
schlafenden Ätna in den 
von des Tages Anstrengungen 
gebeugten Rücken,
der schon so fern liegt,
dass er sich nur noch 
wie die durch einen Mückenstich 
erzeugte Beule von der jetzt
selbst ganz entspannten 
Haut der Erde abhebt,
und die finstere Nacht 
wie einen Mantel um uns,
die so finster gar nicht ist,
verweilt die nun nicht mehr
wasserschneidende Triere
weich wie eine Feder auf dem
seidig schimmernden Glanz
des salzreichen Südspiegels.

Kein Wind, kein Wellenschlag –
nur tiefe, kosmische Stille,
die vom Funkeln, vom Glitzern
der winzigen Himmelslichter
schweigend begleitet wird.

Wir, offenen Mundes,
sehen Hunderte,
sehen Tausende
dieser Weltvertrauen 
spendenden Punkte,
während die Ruder 
eingezogen ruhen
und das Rahsegel
beinahe gerade wie 
ein Blatt Papier
und doch
mit einem kleinen,
in die Tiefe gerutschten
Bauchansatz
reglos am Mast steht.

Deneb, Wega, Atair,
oh, ihr wohlklingenden, 
magischen Namen,
wir bewundern das Dreieck,
das ihr aufspannt,
damit es die Milchstraße,
dieses neblige,
schwer zu ergründende
Band des Lebens, 
scheinbar schwungvoll 
durchkreuzt.

Aber wir wollen
nicht allein sehen:

Wir wollen spüren,
wollen wissen!

Unsere forschende Hände 
greifen gierig in das laue Nass,
in dem sich die silberweißen Sterne
gleich korngroßen Diamanten spiegeln:

Greifen immer fehl.

Der von Horizont zu Horizont
gespannte Bogen, 
dieses Lichtergewölbe aber
ist ein Netz,
	ein Zelt, 
		ein Dach,
das uns birgt und über uns wacht.

Er ist eine Ordnung,
die sphärisch sich erstreckt –
reihum, wohin auch unsere 
geweiteten Strahlenfänger blicken:

Sterne
	Sterne
		Sterne

Im Süden Saturn,
blaßgelb bis golden,
stetig Licht zurückwerfend,
orange-rötlich, den Norden anzeigend
Kochab, im Schwanz des Hundes …

Wir stehen und staunen
den Himmel, die Lichter an –
und unsere leuchtenden Augen
werden selbst zu Sternen.

Sacht, sanft und samten
hebt ein heller Gesang an:

Stimmen von Engeln,
die mild wie das Meer,
im feierlichen Chor
die vernoteten Silben
uns vortragen:

Ein schwebender,
endlos gewebter
klingender Teppich.

Es ist das silbern 
strahlende Lied —

der Ewigkeit!


© 2025 by Arne-Wigand Baganz

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