Sie beide, A und B, teilten sich oft die letzte Schulbank hinten rechts, hinten links, je nachdem, von wo man den Raum erfasste: Dort gab es dann Späße und Gackern. Als Kind hatten sie das gleiche kleine Fahrrad in derselben scheußlichen Lackierung. Gemeinsam und mit anderen fuhren sie über frisch angelegte Straßen und in neu errichtete Betonwohnviertel. Mit der Demokratie bekamen sie schließlich schönere, größere Räder. Gemeinsam und mit anderen fuhren sie nun über die Landstraßen, in Wälder, an Seen. Dann aber kam ein greller Blitz herab aus plötzlich aufgezogenen dunklen Wolken, um mit seiner zerschmetternden Schmetterkraft zu zeigen, dass die Welt nicht eine, nicht zwei sondern viele oft sehr uneinige Welten ist. Die beiden, A und B, trafen sich später noch einmal hier, einmal dort – begegneten sich wie Fremde. Jahre, Jahrzehnte vergingen: A hat sein Büro heute in einem Riegel früherer Macht, aus dem heraus einst tagtäglich uniformierte Silben im Stechschritt durch die längst verschwundene Republik zogen; B aber geht wochentags in einen Pharaonenbau, um Freiheit und Kapital ergeben zu dienen. Wenn sie es wollen, sehen sich A und B, sehen sich beide irgendwann wieder: Wen und was werden sie dann sehen?