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Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Morgengrauen

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Er fürchtete den Tag, der kommen würde.
Er fürchtete das Licht, das ihn ankündigt.
Er fürchtete, dass er sich zu sehr fürchtete,
und saß noch sinnend, bedrückt,
sein langes Leben durchdenkend,
wie es war und nicht mehr
würde sein können,
im Bett,
im Dunkel,
in Einsamkeit,
die Hände unruhig reibend,
die Augen brennend, leer.

Er saß so für Stunden,
er saß die ganze Nacht,
durchsaß wachend,
was ihm noch blieb.

Ehe der erste Vogel
sich hören ließ,
erschien ihm im Kopf
eine reinweiße Leiter 
zu einer hellblauen Rutsche,
er erklomm die erste 
und setzte sich auf letztere,
dann sauste er hinab
und sah sich plötzlich
wie einen Fremden,
der ihm dennoch 
bekannt ist,
lachen in der Sonne
am Strand
am Meer,
sah er Kinder,
Möwen,
Schiffe,
sah er sich 
im leichten Liedersummen
und wieder im Verstummen,
sah er sich 
Texte schreiben 
und verwerfen,
sah er sich
Häuser bauen
und niederreissen.

Sah er sich.
Sah er sich.

Sah er wieder 
das Schwarz der Zelle,
sah er bald
das unaufschiebbare
Heraufdämmern
des Tages,
hörte er schließlich
Vögel,
erst einen,
dann zwei,
auch einen dritten,
hörte er ihre Fröhlichkeit,
hörte er bald
Schritte auf dem Flur,
hörte er
den Schlüssel schließen.


© 2026 by Arne-Wigand Baganz

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