Früh flohst du die braunen Nächte, die Jahre ohne Tage wurden: Braune Nächte, welche sich das von seinen selbst verschuldeten Schicksalen geschüttelte und gerüttelte Volk im Wahn frei erwählte. So geschah es im späten August 1933: Die Mörder fanden dich im Arbeitszimmer der Villa Edelweiß, wo du selbst wie ein Blume blühtest, so etwa gegen 21 Uhr. Sie zielten auf deinen Kopf, einen der geistreichsten des Landes. Sie trafen, und du verstarbst kurz nach Mitternacht – in einer braunen Nacht. Geschrieben hattest du von Paul und Fritz, Hindenburg und Haarmann, geschrieben hattest du mit manchmal zweischneidigem Messer, und mit dem Blick eines in Details verliebten Botanikers, mit dem Blick eines neugierigen Seelentauchers, mit dem Blick eines unbeschwert tanzenden Denkers, dem keine Ritze zu schmal oder dunkel war, um nicht darin einzudringen und wieder zurückzukehren: Die Hände voller Gold und Diamanten. Du schriebst davon, wie sich Tiere und Pflanzen im Menschen wiederfinden oder umgekehrt; du schriebst begnadet von deutschen und blutenden Bäumen, von der Geometrie der Dummheit, vom Schlangestehen und hüpfenden Flöhen, du schriebst davon, dass Geschichte an sich sinnlos sei und, wenn ich es hier in diesen andächtigen Zeilen einmal ganz locker referieren darf, dass man ihr jeglichen Sinn nur nachträglich aufklebt, vielleicht wie eine Briefmarke, deren Gummierungsgeschmack einem noch lange und immer bitterer schief im Munde hängt! Deine Stimme: Kaum gehört, heute fast ganz vergessen. Sie ist, wie du ahntest, wusstest, fürchtetest tatsächlich gefangen wie eine Flaschenpost im Eismeer der Zeit, aber sieh: Einzelne glückliche heiße Hände finden und greifen sie – trotzdem! Und lebtest du heute, in diesen, in unseren schlauen Tagen ein neues, verheißungsvolleres Leben: Wieder würde man blind an deinen Texten vorbeigehen, oder sie tief und verzerrten Gesichts verachten, wieder würde man dich wohl am Ende gezielt töten. Dabei musst du doch dringend nach Schanghai, wo Fancy, die liebe Fancy, auf dich wartet!