Drei Schweine hatten als Heim ein herrliches Haus aus Stein, das war ringsum geschützt von einer großen Mauer, damit ihnen niemand etwas Böses täte. Da kam eines Tages der Wolf, der es seit langem auf die Schweine abgesehen hatte. Seine trüben Absichten waren nie ein Geheimnis gewesen: Aller Welt hatte er sie längst erzählt, er war von ihnen besessen. Vielleicht meinen einige an dieser Stelle, die Geschichte vom Wolf und den drei Schweinen bereits mindestens einmal gehört zu haben, doch verläuft sie anders, der Wolf nämlich hustete nicht, er pustete nicht, er prustete nicht. Er war stattdessen mit einem mit der neuesten Technik ausgestatteten Kamerateam vor das Haus der Schweine gezogen und hielt eine lange, umständliche Rede, die aufgezeichnet und in die ganze weite Welt ausgestrahlt wurde, dass ein jedes Tier sie hören könne.
Es war bereits später Nachmittag, die Sonne stand tief und der Wolf warf einen langen schwarzen Schatten, in dem sich beim Reden immer wieder scharf seine vorderen Zähne abzeichneten. Der Wolf hatte sich an diesem späten Nachmittag nicht die Mühe gemacht, Kreide zu fressen. Die Schweine im Haus hörten der Rede zu, während ihre Augen weit geöffnet waren, sie wussten, was sie bedeutete, und jedes weitere Wort vergrößerte nur ihre Bestürzung: Der Wolf hatte es jetzt wirklich auf sie abgesehen, denn er führte mit einem breiten Grinsen aus, dass die Schweine in dem steinernen Haus hinter der großen Mauer ihrem ganzen Wesen nach eigentlich auch Wölfe wären, und weil das nun einmal so wäre, müsste er sie so schnell wie möglich befreien. Der Wolf erklärte das alles gewichtig, in einem tiefen Ernst und auch sehr bissig, dann war seine Rede zu Ende und er fuhr auf einem quietschenden Dreirad davon, aber nicht weit, nur bis zur übernächsten Hecke. Dort hielt er an und pfiff lautstark, alles durchdringend in seine graue Trillerpfeife. Sofort erschienen aus verschiedenen Haupt- und Nebenhimmelsrichtungen weitere Wölfe, die anfingen, das Haus der Schweine mit schweren, teils rostigen Metallkugeln zu bewerfen. Sie brauchten nicht viele Versuche, bald waren all seine prächtigen Fenster zertrümmert, aber die Schweine im Haus gaben nicht nach, sie hatten sich schon vor Jahren auf diesen schlimmen Fall vorbereitet und setzten hölzerne Bretter vor die zerschlagenen Scheiben. Auch einen Brand, den die Wölfe später in ihrem Garten mit einem Brandsatz legten, konnten die drei Schweine rasch löschen: Sie hatten es so oft geübt! Weisser Rauch stieg auf, als das Feuer erstickte, und der Wolf auf dem Dreirad dachte sich: Vielleicht genügt es schon? Ich werde mal hören, wie weit ich die drei Schweine gebracht habe. Und er hoffte und bangte: Werden sie mich endlich zu sich hereinlassen? Ich wäre zu gern in diesem Haus, in dem sie es so schön haben, ich möchte selbst dort wohnen, es muss unbedingt mir gehören – und aus dem zarten Fleisch der Schweine: Wie viele schmackhafte Portionen Flottenmakkaroni könnte ich mir aus ihnen herstellen lassen? Bei diesen funkelnden Gedanken lief dem Wolf das Wasser im Maul zusammen, seine Augen waren glasig geworden, beinahe wäre ihnen eine Träne entwichen, aber er riss sich zusammen. Trotzdem: Was für ein wunderbarer Traum! Doch es war nur ein Traum. Um ihn Wirklichkeit werden zu lassen, musste der Wolf entschieden, vielleicht noch viel entschiedener als bisher handeln, also fuhr er mit seinem Dreirad wieder vor das Haus der Schweine und erhob seine Stimme. Obwohl er, was wir bereits wissen, auf das Fressen von Kreide verzichtet hatte, versuchte er, so süßlich wie möglich zu klingen:
Ihr Schweine in dem Haus, lasst mich herein, ihr seid doch Wölfe wie wir!
Aber die Schweine, die ihn voller Furcht hinter den brettergeschützten Fensteraussparungen des Hauses wieder mit weit aufgerissenen Augen hörten, öffneten ihm nicht.
Die schlauen Schweine öffneten ihm einfach nicht.