“Die große Harmonie” (1932-33) des ukrainischen Dichters Bohdan-Ihor Antonytsch (* 1909 in Nowica, † 1937 in Lwiw) enthält insgesamt vier Gedichte,
die den Titel “Ars Poetica” tragen und diese sind Zeugnis davon, wie sehr sich Antonytsch gedanklich
mit dem Dichten selbst beschäftigt hat. Zugleich ist dies meine vorerst
letzte Übertragung eines Antonytsch-Gedichtes aus dem Ukrainischen. Erneut
weise ich darauf hin, dass ich diese lediglich als Versuch einstufe, da meine Sprachkenntnisse bescheiden sind; allerdings habe ich
auch hier wieder kein besonders schwieriges Gedicht ausgewählt, so dass ich
selbst recht zuversichtlich bin, dass mir die Aufgabe einigermaßen gelungen
sein dürfte.
Ars Poetica II
Ihor-Bodhan Antonytsch
Ich bin ein gewöhnlicher Dichter,
jeder Tag fasziniert mich,
ich verstehe die Welt nicht,
ich verstehe meine eigenen Lieder nicht.
Die Lust bis zur Neige zu trinken …
Die Stimme sorglos, gleich der einer Grille,
so singe ich,
nur der Mond läutet in den Bergen.
Der Anfang der Verzückung,
der Religion und Sonette;
die Verzückung gebiert uns
Apostel und Dichter.
Ich kann keine Verse schreiben,
ich verspotte die Regeln und Vorschriften.
Für mich ist es Gott selbst,
der die Poesie erschafft.
Donnerstag, den 24. März 1932
***
Я звичайний
піїта,
кожний мене
захоплює
день,
не розумію
світа,
не розумію
власних
пісень.
Пити захват
до краю…
Голос
безжурний,
немов
цвіркуна,
от так собі
співаю,
тільки
дзвенить на
горах луна.
Захоплення
початок
релігії й
сонетів,
захоплення
нам родить
апостолів і
поетів.
Не вмію
писати
віршів,
сміюся з
правил і
вимог.
Для мене
поетику
укладає сам
Бог.
Четвер, 24
березня 1932