Vielleicht sollte ich besser nicht davon erzählen, aber ich mache es
trotzdem:
Gestern Nacht hatte ich einen bedrückenden Traum vom amtierenden deutschen
Bundeskanzler Olaf Scholz. In diesem Traum beging er Suizid und ich fragte
mich sofort: Warum denn? War sein Gastbeitrag mit dem Titel “Warum wir krisenfester sind als die autoritären Staaten”, der kürzlich in “Die Welt” erschien, bereits eine Art Abschiedsbrief, den
man ernster hätte nehmen, genauer hätte lesen sollen? Nach dem Aufwachen
habe ich natürlich erst einmal in die Nachrichten geschaut: Nichts von
einem Suizid des Bundeskanzlers. Uff! Das war gewissermaßen beruhigend, denn bei solchen Träumen kann man nie
wissen. Ich habe schließlich schon einmal von einer schweren Seenot
geträumt und am Morgen gelesen, dass irgendein Schiff vor Spanien gesunken
sei. Das war natürlich Zufall, genau so ein Zufall wie dass gerade heute
der 30. April ist ––
Ich würde gern C.G. Jung fragen, was er von meinem Traum hält, aber ich
muss ihn selbst interpretieren, weil mir dieser Spezialist nicht zur
Verfügung steht, keinem. Nur, damit es nicht zu Missverständnissen kommt:
Selbstverständlich wünsche ich Olaf Scholz keinerlei Unglück, aber dieser Mensch irritiert mich schon
sehr; ganz offensichtlich verfolgt er mich bis in meinen Schlaf und ich
verstehe überhaupt nicht, was ihn antreibt. Seine Sprache ist hölzern, sein
Reden einschläfernd, sein Antworten ausweichend, sein Führungsstil oft
herablassend, träge, sein Kommunikationsverhalten insgesamt katastrophal.
Die Mehrheit der Deutschen ist momentan mit ihm unzufrieden, die Ukrainer
halten auch nicht viel von ihm.
Was ist die eigentliche Rolle von Olaf Scholz? Ist er nur ein weiterer
Nachlassverwalter des früheren deutschen Wirtschaftswunders?? Jemand, den
viele (vor allem ältere) Deutsche gewählt haben, weil sie sich ein “Weiter
so” wünschten und weil es keine ansprechendere Alternative gab?
Außenpolitik jedenfalls scheint nicht so das Ding des Bundeskanzlers zu
sein, auch wenn er sie einmal zur Chefsache deklarierte, um die
Außenministerin einzuherden. Allgemein bleibt es bei ihm ziemlich häufig
bei reinen Deklarationen: Wo genau ist denn nun die Zeitenwende?
Um Olaf Scholz zu verstehen, frage ich mich dieser Tage sehr häufig, wie
tief der Russland-Sumpf in der SPD (und unabhängig davon auch in der CDU)
eigentlich ist. Ich hoffe, dass er einmal sehr genau ausgeleuchtet und
erforscht werden wird – viel genauer als heute.
Olaf Scholz ist erst seit dem 8. Dezember 2021 im Amt und er ist es noch
immer – daher ist es zu früh für eine abschließende Bewertung seiner
Kanzlerschaft, aber bei drei sprachlichen “Errungenschaften” bin ich mir
schon ziemlich sicher: Die Worte “Respekt”, “Zeitenwende” und “Besonnenheit” sind inzwischen ziemlich verbraucht und es wird eine ganze Weile dauern,
bis man sie wieder in ihrer Ursprünglichkeit wird benutzen können, ohne
dabei an die Umdeutungen von Olaf Scholz zu denken.
