Hier ist ein weiteres Gedicht des Ukrainers Bohdan-Ihor Antonytsch (* 1909 in Nowica, † 1937 in Lwiw), das ich trotz beschränkter
Kenntnis des Ukrainischen in die deutsche Sprache zu übertragen versucht
habe. Es stammt ebenfalls aus der Sammlung “Die große Harmonie” (1932-33).
Mater Dolorosa
Bohdan-Ihor Antonytsch
In die dunkle, schwarze Nacht
wehten die Winde.
Zähle nicht die Silbersterne;
drei nur funkeln.
Drei einsame Sterne,
gleich drei Tränen,
gleich Perlen im Meer.
Die Winde wehten.
Das schwarze Laken der Nacht
rundherum wie ein Zelt.
Oder was sehen die Augen?
Eine Mutter geht den Weg.
Die Dunkelstunde,
Sterne wie gelbes Getreide,
Sie wandelt mit dem Herzen des Sohnes,
von Dornen durchbohrt.
Sonntag, den 27. März 1932
***
В темну,
чорну ніч
віяли вітри.
Срібних зір
не ліч;
мерехтять
лиш три.
Три самітні
зорі,
наче сльози
три,
наче перли в
морі.
Віяли вітри.
Чорна
плахта ночі
навкруги
шатром.
Чи що бачать
очі?
Мати йде
шляхом.
Темряви
година,
зорі жовтим
зерном.
Йде із
серцем Сина,
що пробите
терном.
Неділя, 27
березня 1932
