Anlässlich des Unabhängigkeitstages der Ukraine (24.08.) habe ich das
berühmte Partisanenlied “Chlopzi is Lissu” in die deutsche Sprache
übertragen. Zu seiner Entstehung ist nichts näheres bekannt (Autor,
Entstehungsjahr, konkreter Kontext), dennoch lässt sich sagen, dass es Teil
der künstlerischen Tradition der Aufständischen war, die damals in den
Jahren des Zweiten Weltkriegs und weit darüber hinaus gegen die
Fremdherrschaft für eine freie Ukraine kämpften – und das oft aus dem
Schutz der Wälder heraus, wie es dieses Lied darstellt. Häufig wird das
Lied als “Marsch der Löwenhundertschaft” bezeichnet (in der Übersetzung
“Leu-Zenturie”): Auch hierüber konnte ich nichts Spezifisches in Erfahrung
bringen. Vermutlich lässt sich das Lied trotzdem in Lemberg, der Stadt der
Löwen, oder im weiteren Galizien verorten, denn genau darauf scheinen die
Löwen in ihm anzuspielen.
Obwohl er generell ein einfacher, eingängiger Text ist, enthält er einige
idiomatische Passagen, die sich unter der Berücksichtigung des Rhythmus und
der Form der Strophen nur schwer ins Deutsche übertragen lassen. Ich habe
versucht, inhaltlich so dicht wie möglich am Original zu bleiben und
dennoch dessen rhythmische Stärke zumindest teilweise zu erhalten. Dabei
musste ich nach vielerlei Abwägen ein paar Kompromisse eingehen, mit denen
ich natürlich nicht vollkommen glücklich sein kann.
Um die Gestaltung der Übertragung zu verstehen, ist es hilfreich, das
ukrainische Lied zu kennen, das man sich u.a. hier auf YouTube in einer ansprechenden Version anhören kann.
Zitat: Hej, öffnet das Tor der Freiheit,
goldene Schlüssel, vom Blut geweiht,
durch Löwenstraßen führt die Liebste
der Junge aus dem Wald – den Mond geschultert.
Hej, uns schreckt nicht der Feinde Strafe.
Hej, Zeitenvater, antworte uns.
Der Junge aus dem Wald feiert heut ein Fest.
Der Junge aus dem Wald – feuergeprüft.
Eins, zwei, drei, Jungs aus dem Wald.
Eins, zwei, drei, wir leben noch.
Eins, zwei, drei, Feinde zum Teufel.
Es gibt nur eine Freiheit auf der Welt.
Hej, die „Leu-Zenturie“ entfacht ihre Zauber.
Hej, die „Leu-Zenturie“ aus reinem Tau.
Der Junge aus dem Wald feiert heut’ ein Fest,
In seinen Armen den treuen Sohn.
Hej, uns schreckt nicht der Feinde Strafe.
Hej, Zeitenvater, antworte uns.
Der Junge aus dem Wald feiert heut ein Fest.
Der Junge aus dem Wald – von Feuern umringt.
Eins, zwei, drei, Jungs aus dem Wald.
Eins, zwei, drei, wir leben noch.
Eins, zwei, drei, Feinde zum Teufel.
Es gibt nur eine Ukraine auf der Welt.
Sollten Sie mehr über dieses Lied wissen oder Anmerkungen bzw.
Verbesserungsvorschläge zu meiner Übertragung haben, kontaktieren Sie mich
gern.
Ich bitte um Verständnis, dass die oft widersprüchliche Geschichte der UPA
hier nicht näher erläutert wird.
Dies zu tun, überlasse ich gern den Experten der Geschichtswissenschaft,
sofern sie nicht auf der Seite der Feinde der Freiheit / Ukraine stehen …
Hier ist der ukrainische Originaltext des Liedes:
Zitat: Хлопці із лісу (Сотня «Леви»)
Гей, відкривайтk 7; до свободи браму,
Кров'ю свячені золоті ключі:
Вулицями Лева веде свою кохану
Хлопець із лісу – місяць на плечі.
Гей, не страшна нам ворогова страта,
Гей, озовися, Батьку у віках.
Хлопець із лісу гуляє ніні свято,
Хлопець із лісу на семи вогнях.
Раз, два, три, хлопці із лісу,
Раз, два, три, ми іще живі,
Раз, два, три, ворогів до біса,
Лиш одна [свобода / Вкраіна] на землі.
Гей, сотня «Лева» піднімає чари,
Гей, сотня «Лева» з чистої роси,
Хлопець із лісу гуляє ніні свято,
На руках у хлопця – вірний син.
Гей, не страшна нам ворогова страта,
Гей, озовися, Батьку у віках.
Хлопець із лісу гуляє ніні свято,
Хлопець із лісу на семи вогнях.
Раз, два, три, хлопці із лісу,
Раз, два, три, ми іще живі,
Раз, два, три, ворогів до біса,
Лиш одна [свобода / Вкраіна] на землі.
