Der Letzte
Als letzter seiner Art
steht er da, schon schlaff,
verblichen und angerissen
wie eine verlorene Fahne,
die kein Territorium
mehr markiert:
Etwas stolz zwar noch,
aber keiner Blicke mehr wert.
Keiner Blicke.
Im Stillen webt man bereits
sein graues Leichentuch.
Die Spindel fliegt,
die Spindel fliegt.
Bald ist's fertig.
Wo sind sie denn hin,
die anderen,
seinesgleichen?
All jene, die
seine Sprache sprachen,
seine Werte teilten,
und mit ihm an den selben
Bildern kunstreich malten?
Fort zogen diese ihm
innerlich so verwandten,
als die Winde
günstig waren,
zuerst einer,
dann ein weiterer,
später noch einer,
schließlich alle –
er allein aber blieb.
Warum?
Um ihn herum
ist nur Sumpf
und schwelende Fäulnis,
wie ein einsam sterbender
Baum verharrt er fußlos
in den trüben Wassern
im düsteren Schatten,
lauscht dem Glucksen
aufsteigender Gase:
Plupp. Plupp –
und hat doch Flügel,
und hätte doch Flügel
um selber zu fliegen!
© 2025 by Arne-Wigand Baganz
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