Die Wartenden auf den Plattformen sehen Bordeaux unter Ocker, tiefes Rot, dynamisches Blau-weiß, spritzig-frisches Grün – sie sehen die Transportmittel in vielerlei, in mannigfaltigen Farben einfahren, ausfahren, zögern und selber warten. Den gewaltigen Rückbau der Anlagen erfasst jedoch allein, wer betagter ist und diesen Ort der Regsamkeit schon in den 1980ern kannte … Schwarz-weiße Fotografien, liebevoll an Wänden angebracht, holen der Betrachtung Geneigten den Staub von damals ins Heute. Gegenüber, von der anderen Seite der Straße, glotzt seit eh und je, glotzt beständig seit mehr als einem stolzen Zentennium ein feines Spirituosengeschäft aus einem Fensterbogen und lockt die Leute mit seinen erlesenen trinkbaren Waren. Der Lärm und Gestank der Penner aber rast rastlos über den lange unbenannten Eugeniu-Botnari-Platz; die üblen Gerüche konkurrieren mit dem Duft billig gemachter Döner, die Bauarbeiter und einfache Handwerker sich wochentags miteinander schnatternd noch immer beinahe unbekümmert leisten. Besonders sonntags sammeln sich Menschen, die ein unstetes Leben wie jener unglückliche, verstorbene Moldawier führen, dessen Name nun für alle sichtbar auf dem nostalgisierenden Schild verewigt ist – es könnten auch Fontane, Schinkel oder Savigny darauf stehen – läge der Platz nicht in Lichtenberg. Diese unstet lebenden Menschen sammeln sich also vor und in dem Supermarkt mit dem blau-gelben Logo, der seinen einmal erworbenen traurigen Ruf nie wieder verlieren wird: Alte Flaschen abgebend, neue Flaschen kaufend. So taumeln sie von Rausch zu Rausch. Wenn du aber genau schaust, kannst du sie hier, selbst hier, dennoch sehen – über dem Bahnhofsgebäude schwebend, ruhig in ihrem erhabenen Glanz, schwer und riesig, in gleichmäßigen Abständen perfekt angeordnet, von allem unangefochten, von Wind und Sonne, von Geräuschen und Gerüchen unbeeindruckt – trotzdem alles erschauend, alles erspürend, alles durchdringend; über dem Bahnhofsgebäude zeigen sich –––: Drei identische, goldene Buddhas. Sie schweigen und machen das unruhige Haus, selbst dieses unruhige Haus, zu einer friedvollen und feierlichen Pagode