Ein U-Boot, wie ein in den falschen Körper geborener Wal, von dem man monatelang, vielleicht auch Jahre, nur dessen Periskop durch die Wellen stechen sah, taucht nach gründlichsten Ausleuchtungen Messungen Sondierungen plötzlich am Strand auf; Luft und See scheinen rein, der Boden bereitet. Der Kapitän schiebt die Sonnenbrille auf seine Stirn und die Mütze ein wenig zurück, dann steigt er aus seinem Wassermaulwurf majestätischen Schrittes ganz gemächlich aus. Fest rammt er mit beiden beringten Händen ein an einem eisernen Stab befestigtes Hoheitszeichen in den hellen Sand, und er legt sich in Glück und Triumph nieder, sich zu sonnen und riesig sich fühlend. Ein paar hundert Meter entfernt aber hängt ein lecker Einmaster schon seit geraumen Ewigkeiten manövrierunfähig und prekär auf einem Riff, irgendwann wird er doch untergehen; ein beschwipster Seemann umkreist dort das Deck und streicht die lange Reling mit einem Haarpinsel dünn-golden, und ein General ohne Uniform kommandiert barbusig und -häuptig seine willigen Beiboote weiterhin zu gewagten Einsätzen: Sie sollen im dienstbar sein und auch bleiben. Weiter draußen fährt ein weißer Dampfer von links nach rechts und zurück von links nach rechts unter falscher Flagge den Horizont wie auf einer Patrouillenfahrt ab. Passt auf! Morgen wird es schon wieder ein anderer Stofffetzen sein, den es alle täuschend am Heck zeigt. Ein blauer Ozeanriese treibt steuerlos, seine Fracht fahrig ins Meer streuend; die robusten Kompasse haben sie zertrümmert, die präzise gezeichneten Seekarten verbrannt, das Navigationssystem ist vollends unbrauchbar, doch die Mannschaft veranstaltet brüllend Rettungsringweitwurfwettbewerbe. In unmittelbarer Nachbarschaft schleicht ganz ohne Passagiere, ein kilometerhohes Kreuzfahrtschiff, über die magere Wellen, die eifrigen Köche darin tafeln trotzdem die feinsten Gerichte ungebremst und rund um die Uhr auf. Hummer, Sekt und Kaviar! Bleigrau und stürmisch verlässt ein Kreuzer die Sichtgrenze auf seiner Strafexpedition. Später liest man in Zeitungen von durch ihn herbeigeführten Erschütterungen Einschlägen, Explosionen. Eine verirrte Schaluppe hat derweil die schwarze Fahne gehisst, von der bleich ein Totenkopf grinst, doch fehlt ihm ein Knochen; ein sonnenstichiger Greis steht darauf wankend an Bord und schmeißt seine gesammelten Werke, die nie ein Verlag druckte, blattweise in das sie gierig verschlingende Nass. Jahre noch wird er so beschäftigt sein, wenn kein Sturm ihn umwirft. Die Küstenwache an Land ist über Wochen in heiße Tarifverhandlungen vertieft, und diskutiert begeistert die Vorziehung des Rentenalters für alle Beschäftigten. Ein einsames Segelboot, das sich ungebunden und frei auf dem Wasser bewegt, und eigentlich längst in andere Regionen hat ziehen wollen, wird von einem lachenden Tümmler umspielt; für ihre Art viel zu schön singend kreuzt einmal eine Graukopfmöwe der beiden Wege. Ein freudiger Augenblick. So flüchtig. Schon vergangen Bunt gekleidete Surfer, athletisch und jung, blond und gebräunt, reiten einzelkämpfend, einander verbissen überholend in ihren werbebedruckten Neoprenhäuten von der Kraft des Windes getragen durch die Bucht, fallen ins Wasser, stehen auf und reiten wieder gegeneinander: Wer von ihnen wird wohl am Abend der Abende die begehrte Trophäe erhalten und vom nach immer neuen Sensationen gierenden Publikum für einige Momente geliebt werden? Ich ziere mich, zu antworten; und trotzdem hängt es mit dieser Frage an meinen Lippen. Ich ziere mich, jene so feinen, fragilen Illusionen, die es unbekümmert hegt, zu zerstören, und muss doch verraten, was ich schon seit langem weiß: Niemand wird je etwas gewinnen, aber sorget euch nicht: Alles läuft ja noch ein ganzes Stück so weiter – bis nichts mehr überhaupt nichts mehr läuft. Darum also sorget euch nicht.