Aktuell
© 1999-2026 by Arne-Wigand Baganz

Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Sand

Start > Lyrik > 2026

Keine Häuser waren es,
in denen man daheim ist,
sondern immer schon Trümmer,
denkt er 
mit ausgestreckten Beinen
am Boden in einer Wüste 
aus Geröll sitzend,
und greift 
mit seiner rechten Hand
nach einem losen Stein.

Dessen Kanten:
Bestoßen.
Der Körper:
Von Rissen 
durchzogen.
Er zerbröselt
beim ersten Druck
sogleich zu Sand.

Noch ein Versuch
und ein weiterer:
Kein Stein bleibt Stein,
und der Sitzende erkennt –
als fiele plötzlich 
ein schwerer Vorhang –
dass er selbst nur 
einer von ihnen ist:

Bestoßen, 
rissig, 
bald Sand.

Es gibt, spürt er weiter,
spürt er tiefer 
dieser Erkenntnis nach,
nicht einmal 
ein verbindendes Band,
zu diesem, jenem, allem.

Verstrickungen jedoch gibt es,
jede Menge 
Verstrickungen.
Anfänge, ja, vielleicht,
auch die,
Anfänge hier und 
da und dort –
vornehmlich aber
Enden:

Enden 
über 
Enden.

Überall
Enden!


© 2026 by Arne-Wigand Baganz

Vorheriges Werk:
« Die Seereise
Nächstes Werk:
» Nachtflug

Verwandte Texte

Entheimatet. Entfremdet.
Ein verstümmelter Psalm der späten Moderne
Lyrik, 04.09.2025

Meerespanorama
Ein nautisches Sinnbild
Lyrik, 28.07.2025

heimwaerts
es verwittern knochige rosen die ich dir an dein herz genaeht habe - eine last dein groeßte
Lyrik, 12.06.2004