Nachtflug
Ein Vlies aus schwarzen Flecken,
wie ein größtenteils verbranntes
Stück Pergament, stumm und ohne
jedwede erkennbare schriftliche Zeichen,
bedeckt regungslos eine Höhensphäre
tief unter dem Flugzeug,
das ein Viertel des Planeten
wohl bereits überflogen.
Seine weiße, metallene Nase
bohrt sich weiter
Richtung Osten,
Richtung Ziel.
Es braucht
noch Stunden.
Bernsteinfarben bis
golden funkelnd
durchschimmern den
löchrigen Wolkenteppich
jetzt von unten
die Nachtlichter
Neu Delhis:
Die breiten, noch immer
befahrenen Bahnen
großstädtischen Transports,
ausgedehnte Industriebezirke,
Villen, vielleicht auch
heilige Hügel,
auf denen Statuen
bekannter Gottheiten
die Schlafenszeit
bis zum Morgen
durchstehen –
um dann weiter
zu stehen,
zu stehen,
zu stehen.
© 2026 by Arne-Wigand Baganz
Vorheriges Werk:
« SandNächstes Werk:
» Desäkularisierung
Verwandte Texte
Sternfahrt
Eine nächtliche Schau des Universums
Lyrik, 03.10.2025
Die Seereise
Eine Bewegung ohne Ende, die doch einmal enden wird
Lyrik, 09.03.2026
AO
wandertest du schon ein weilchen
durch staubige herztaeler und
die schwarzen felder der qual
ri …
Lyrik, 15.05.2006