Am Anfang, als er sein Amt übernimmt, sorgt er erst einmal für freie Bahn
und minimiert aktiv und nicht selten präventiv, geschickt bis gewaltsam die
Widerstände, die ihm innerhalb des Landes entgegenstehen könnten. Die
Mahner, die Kritiker, die Gegner und jene, die ihm aus seinem eigenen Lager
heraus gefährlich werden könnten, lässt er eliminieren. Er schafft ein
Klima der Angst und eine strenge Ordnung – er ebnet das Spielfeld ein.
Es ist kein Geheimnis: Er ist nicht hübsch, er ist nicht außerordentlich
gescheit, aber er weiß sich in Szene zu setzen und hat einen Instinkt dafür
entwickelt, nach den richtigen Fäden zu greifen. Er tritt auf großen Bühnen
auf, stellt seine Macht zur Schau, hält feurige Reden. Nicht jeder verfällt
seinem Charisma, doch das ist kein Drama. Er ist der Herr der Hebel, er hat
die absolute Macht, und er bereitet das Land früh auf sein eigenes großes
Projekt, den Krieg, vor. Das Projekt ist alles, alles andere ist nichts,
das muss jeder wissen. Auf dem Weg dorthin gelingt ihm so manche
entscheidende Täuschung, die ihm größeren Spielraum lässt: Die Täuschung
der eigenen Bevölkerung, aber auch die von Führern anderer großer Mächte.
Viele unterschätzen ihn, vor allem vor seinem Amtsantritt. Sein großes
Projekt schließlich, anfangs oft erfolgreich und damit auch viele jener zum
Schweigen bringend, die ihn misstrauisch betrachten, ist in keinster Weise
nachhaltig, er hat es, wie sich bald zeigt, hoffnungslos überdehnt, am Ende
fällt es wie ein Kartenhaus zusammen. Er gibt dann jenen, den kleinen und
größeren Rommels wie Eichmännern, die es umsetzen sollten und die sich
wirklich die allergrößte Mühe damit gemacht haben, die Schuld, nicht sich
selbst, denn er ist schließlich ein genialer, von der Vorsehung bestimmter
Führer. Alle Wege führen zu ihm, und zugleich führen sie von ihm weg. Es
ist gnadenlos einfach: Alles ist eins, alles ist seins. Am Ende jedoch ist
nichts mehr, steht der totale Zusammenbruch, aber immerhin: Einer seiner
Vertrauten, ein opulenter Herr mit einer Vorliebe für ausgefallene
Uniformen, sagt nicht wenig zufrieden, bevor er sich selbst das Leben
nimmt, dass er ein paar fette, sicherlich auch berauschende Jahre hatte …