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Der Führer als Manager

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Eine nahezu klinisch durchgeführte Strukturfreilegung mittels Analogie

Am Anfang, als er sein Amt übernimmt, sorgt er erst einmal für freie Bahn und minimiert aktiv und nicht selten präventiv, geschickt bis gewaltsam die Widerstände, die ihm innerhalb des Landes entgegenstehen könnten. Die Mahner, die Kritiker, die Gegner und jene, die ihm aus seinem eigenen Lager heraus gefährlich werden könnten, lässt er eliminieren. Er schafft ein Klima der Angst und eine strenge Ordnung – er ebnet das Spielfeld ein.
Es ist kein Geheimnis: Er ist nicht hübsch, er ist nicht außerordentlich gescheit, aber er weiß sich in Szene zu setzen und hat einen Instinkt dafür entwickelt, nach den richtigen Fäden zu greifen. Er tritt auf großen Bühnen auf, stellt seine Macht zur Schau, hält feurige Reden. Nicht jeder verfällt seinem Charisma, doch das ist kein Drama. Er ist der Herr der Hebel, er hat die absolute Macht, und er bereitet das Land früh auf sein eigenes großes Projekt, den Krieg, vor. Das Projekt ist alles, alles andere ist nichts, das muss jeder wissen. Auf dem Weg dorthin gelingt ihm so manche entscheidende Täuschung, die ihm größeren Spielraum lässt: Die Täuschung der eigenen Bevölkerung, aber auch die von Führern anderer großer Mächte. Viele unterschätzen ihn, vor allem vor seinem Amtsantritt. Sein großes Projekt schließlich, anfangs oft erfolgreich und damit auch viele jener zum Schweigen bringend, die ihn misstrauisch betrachten, ist in keinster Weise nachhaltig, er hat es, wie sich bald zeigt, hoffnungslos überdehnt, am Ende fällt es wie ein Kartenhaus zusammen. Er gibt dann jenen, den kleinen und größeren Rommels wie Eichmännern, die es umsetzen sollten und die sich wirklich die allergrößte Mühe damit gemacht haben, die Schuld, nicht sich selbst, denn er ist schließlich ein genialer, von der Vorsehung bestimmter Führer. Alle Wege führen zu ihm, und zugleich führen sie von ihm weg. Es ist gnadenlos einfach: Alles ist eins, alles ist seins. Am Ende jedoch ist nichts mehr, steht der totale Zusammenbruch, aber immerhin: Einer seiner Vertrauten, ein opulenter Herr mit einer Vorliebe für ausgefallene Uniformen, sagt nicht wenig zufrieden, bevor er sich selbst das Leben nimmt, dass er ein paar fette, sicherlich auch berauschende Jahre hatte …

Veröffentlicht am 11.04.2026

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