Die stets gleiche aufdringliche Sample-Stimme, die sich wie Säure in die Ohren aller ätzt, kündigt die nichts entscheidende Ankunft an: Alexanderplatz. Man kann hier aussteigen, einsteigen oder einfach sitzen bzw. stehen bleiben. Das sind im wesentlichen die verfügbaren Optionen. Aber bitte, für diese Auskunft brauchen Sie nicht zu danken. Worauf es wirklich ankommt: Mache ein jeder auf jeden Fall ruhig, was er kann und will! Wer jetzt aussteigt und hier bleibt, darf z.B. die türkis- farbenen Kacheln, welche die scheinbar ewig langen Gänge einrahmen, gern eingehend betrachten. Es ist erlaubt, möglicherweise sogar erwünscht. Wirkt es nicht, als wanderte man zwar unter der Erde aber doch durchs alte Babylon? Ein neues Babylon jedoch ist es – und nach dem imposanten Ischtar-Tor wird man hier unten in der Tiefe lange lange suchen … Da jagen sie also die Treppen hinauf / hinab, zu den Ebenen der U5, U8, U2: Einzelpersonen, Familien als auch ethnisch oder durch sonstwelche Bande verbundene Gruppen. Geht einen alles nichts an, übrigens, so lange niemand einem den Weg versperrt. Leuchtende Tafeln mit Zeitangaben treiben zur Eile oder verleiten stattdessen zum Schlendern. Alles relativ. Wie man es gerade braucht. Oder nicht. Touristisch motivierte Schulklassen aller Herren / Damen Länder mit mindestens einer Aufsichtsposition drängen sich häufig brabbelnd auf den Plattformen der hauptstädtischen U-Bahn in den späteren Morgenstunden, andere Anwesende haben sich zu allen Tageszeiten untrennbar in das Display ihres Smartphones vergafft und vertrauen darauf, dass die von ihnen ausgeblendeten Mitmenschen schon irgendwie geschickt um sie herumfließen werden, an jedwedem unmöglichen Ort. Manchmal sorgen gesperrte Ein- bzw. Ausgänge für kleinere Überraschungen. Und die Verspätungen! Aber davon sei lieber gar keine Rede. Vor dem Ticketbüro der BVG steht jedenfalls am Monatsanfang immer eine ordentliche Schlange, wirklich fein in Zaum gehalten. Wenn Sie als Leser, der es bis hierher geschafft hat, und sei es auch durch unzulässiges Überspringen kostenfrei dargebotener Informationen, jetzt am Ende einen Rat brauchen, dann sicherlich genau diesen: Kommen Sie bitte nicht nach Berlin, hier gibt es nichts zu sehen, was man sehen müsste, nichts zu erleben, was man erleben müsste. Ganz ohne Bitterkeit, ganz realistisch: Berlin taugt gerade noch als Stoff für ein vielleicht nicht mal mehr mittelmäßiges Gedicht wie dieses hier, aber das will Gott sei Dank gar niemand schreiben! Bleiben Sie also zu Hause. Bleiben Sie lieber zu Hause. Bitte bleiben Sie zu Hause. Zu Hause, wo hoffentlich noch der Pfeffer wächst.