Sich nur mit einiger Mühe noch über dem Kastenneubau haltend, senkt sich die Juli-Sonne schwer, den Feierabendhabenden golden bescheinend, bei den dünn aus seinem Telefon blechernden Klängen von “Black Planet”, die er nie müde wird zu hören. Black Black Planet Black Black World Er könnte, denkt er, ein Gedicht darüber schreiben, wie er jetzt so dasitzt und diesen Liedzeilen lauscht, die den großen Spender allen Lebens in seinem abendlichen Sinken, das gar kein Sinken ist, rundherum unbeeindruckt lassen; und wie er das reine Leben träumend genießt, ein wenig ermattet von all der artig ausgeführten Arbeit, die heute hinter ihm liegt, aber er verwirft diesen Gedanken, denn am schönsten, das ahnt er nicht nur, das glaubt er nicht nur, das weiß er bestimmt, sind doch all jene Gedichte, in denen gar kein Ich vorkommt, in denen es ausgelöscht, ganz ausgelöscht ist, aber er ist nun einmal, was er ohne Bedauern und vollkommen blumenlos feststellt, weder einer dieser sich gern aufopfernden freiwilligen Floriansjünger noch ein Mäßigung liebender Mönch, der tief in die beneidenswerte Weisheit des Anatta eingetaucht ist: Löschen, zumal in der gesteigerten Form des Auslöschens, liegt ihm nicht, liegt ihm gar nicht, zu gern, viel zu gern kreist er um sich selbst und spielt dabei mit dem Feuer, indem er Worte, Worte, Worte, nichts als Worte, langsam reibt, bis sie irgendwann vielleicht anfangen zu brennen. Aber Achtung! Seine Lieblingswespe, so ein kleines hartnäckiges Ding schwebt ihn jetzt schwarz-gelb und fast lautlos an; die beiden kennen sich erst seit ein paar Tagen, kennen sich trotzdem schon ganz gut. Sie mag an diesem Abend besonders die leuchtende Farbe seines T-Shirts und weiß, dass er sich gerade einen süßen Nusshappen gegönnt hat: Der Zucker klebt ihm noch an den in diesen Momenten meist waagerecht stehenden Lippen; aber das kleine braune, schon offene Fläschlein West Coast IPA im ausgedünnten und verdorrten Gras zu seinen Füßen, dieses Fläschlein, aus dem er in winzigen Zügen mehrfach nippt, verschmäht sie. Wählerisches, schlaues Tier! Silhouetten marschieren vorbei, allein oder in kleinen Gruppen, in Sekunden- und Minutenabständen, schwarz gegen die Sonne, harmlose Passanten kaum zu erkennen. Etwas abseits führen zwei kahlköpfige Übermänner in deutlicher Entfernung voneinander ihre gefährlich wirkenden Hundeungeheuer grimmig blickend aus – das letzte Mal an diesem Tag; eilige Radler und Scooter-Fahrer huschen ganz unfallfrei über das hintere Ende des Parkplatzes. Wieviel Treiben in wie kurzer Zeit? Wohin geht es denn? Na, dahin! Aufkommender Wind lässt Haare wehen. Und immer wieder klappern, während er so schaut, während er sich sonnt, zu seiner Rechten, halb im Rücken, die unzähligen Getränkekisten, welche einzelne, ganz in Rot gekleidete Mitarbeiter des Supermarktes hinter dem hohen Zaun, schon in einem anderen Land, nach und nach bis zu den Wolken stapeln. Der LKW, sie abzuholen, kommt heute nicht mehr.