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Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Hinterm Kaufland

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Sich nur mit einiger Mühe noch
über dem Kastenneubau haltend,
senkt sich die Juli-Sonne schwer,
den Feierabendhabenden
golden bescheinend,
bei den dünn aus seinem Telefon 
blechernden Klängen
von “Black Planet”,
die er nie müde wird zu hören.

Black
Black Planet
Black
Black World

Er könnte, denkt er,
ein Gedicht darüber schreiben,
wie er jetzt so dasitzt 
und diesen Liedzeilen lauscht,
die den großen Spender
allen Lebens
in seinem abendlichen Sinken,
das gar kein Sinken ist,
rundherum unbeeindruckt lassen;
und wie er das reine 
Leben träumend genießt,
ein wenig ermattet
von all der artig ausgeführten Arbeit,
die heute hinter ihm liegt,
aber er verwirft diesen Gedanken,
denn am schönsten,
das ahnt er nicht nur,
das glaubt er nicht nur,
das weiß er bestimmt,
sind doch all jene Gedichte,
in denen gar kein Ich vorkommt,
in denen es ausgelöscht,
ganz ausgelöscht ist,
aber er ist nun einmal, 
was er ohne Bedauern 
und vollkommen blumenlos feststellt, 
weder einer dieser sich gern
aufopfernden freiwilligen Floriansjünger
noch ein Mäßigung liebender Mönch,
der tief in die beneidenswerte Weisheit
des Anatta eingetaucht ist:

Löschen, zumal in der gesteigerten 
Form des Auslöschens, 
liegt ihm nicht,
liegt ihm gar nicht,
zu gern, viel zu gern
kreist er um sich selbst
und spielt dabei
mit dem Feuer, indem er 
Worte, Worte, Worte,
nichts als Worte,
langsam reibt,
bis sie irgendwann vielleicht
anfangen zu brennen.

Aber Achtung!

Seine Lieblingswespe,
so ein kleines hartnäckiges Ding
schwebt ihn jetzt schwarz-gelb
und fast lautlos an;
die beiden kennen sich
erst seit ein paar Tagen,
kennen sich trotzdem schon ganz gut.
Sie mag an diesem Abend besonders
die leuchtende Farbe
seines T-Shirts und weiß, 
dass er sich gerade einen süßen 
Nusshappen gegönnt hat:
Der Zucker klebt ihm noch
an den in diesen Momenten
meist waagerecht stehenden Lippen;
aber das kleine braune, schon offene
Fläschlein West Coast IPA
im ausgedünnten und verdorrten Gras
zu seinen Füßen,
dieses Fläschlein,
aus dem er in winzigen 
Zügen mehrfach nippt,
verschmäht sie.

Wählerisches, schlaues Tier!

Silhouetten marschieren vorbei,
allein oder in kleinen Gruppen,
in Sekunden- und Minutenabständen,
schwarz gegen die Sonne,
harmlose Passanten
kaum zu erkennen.

Etwas abseits führen
zwei kahlköpfige Übermänner 
in deutlicher Entfernung voneinander
ihre gefährlich wirkenden Hundeungeheuer 
grimmig blickend aus –
das letzte Mal an diesem Tag;
eilige Radler und Scooter-Fahrer
huschen ganz unfallfrei 
über das hintere Ende
des Parkplatzes.

Wieviel Treiben 
in wie kurzer Zeit?

Wohin geht es denn? 
Na, dahin!

Aufkommender Wind
lässt Haare wehen.

Und immer wieder klappern,
während er so schaut,
während er sich sonnt, 
zu seiner Rechten,
halb im Rücken,
die unzähligen Getränkekisten,
welche einzelne, 
ganz in Rot gekleidete 
Mitarbeiter des Supermarktes
hinter dem hohen Zaun,
schon in einem anderen Land,
nach und nach 
bis zu den Wolken stapeln.

Der LKW, sie abzuholen,
kommt heute nicht mehr.


© 2025 by Arne-Wigand Baganz

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