Die Stimme, diese stets sich rücksichtslos selbstgefährdende Stimme, die nicht schweigen kann und immerfort den überall lauernden schweren Verlockungen verfällt, die ausgehen vom erfrischenden Duft innerlich erspürter Wahrheiten; ein Duft, der sich nicht selten nur zu schnell als das aasige Parfüm der Pfeifenblume entpuppt. Igitt! Manchmal, ja, vielleicht wirklich nur manchmal decken sich diese Wahrheiten trotzdem mit dem, was Außen, was die Welt ist –: Aber wer kann, wer darf sich schon so weit hinauf schwingen, um das zu beurteilen? Die stets redebereite Stimme jedenfalls verkündet unermüdlich in hohen und tiefen Tönen, plaudert aus, was sich das unruhige Hirn in ihres Eigners etwas zu großem Schädel, erdenkt; dieses unruhige Hirn, das den Menschen steuert, das den Menschen erhebt und niederdrückt, zu Erfolgen führt und wieder und wieder scheitern lässt – wie ein wahnwitziger Laborant, der alles einmal ausprobieren will und doch kaum etwas erreicht, probiert dieses Hirn tatsächlich alles, fast alles aus. Und der Eigner merkt, was ihm allmählich geschieht, wie sich die eben noch geraden, hellen Wege in finstere Täler hinabbiegen, wie er aus der Sonne in den Schatten gerät, aber er kann es nicht lassen, dennoch nicht lassen: Etwas zieht ihn seinem Schicksal entgegen! Als Schlingen kommen die Worte, die seine Stimme spricht, zu ihm zurück und legen sich stärker und stärker um die fast hilflos wankenden Beine, die längst nicht mehr sicher im Leben stehen, vielleicht niemals standen. Die Schlingenworte wachsen sich, nach allen Seiten wirbelnd, zielstrebig am immer noch stolzen Körper empor und greifen bald schon nach dem Hals, um den sie sich dann bittersüß schmiegen, erst sanft, dann härter und härter liebkosend, schnüren sie diesen kräftigen Hals fester und fester, bis der lebenserhaltende Atem stillsteht und dem frechen Hirn die Luft wegbleibt und die Stimme nie wieder ein Wort von sich geben wird. Es sind übrigens einige, die dieses seltsame Schauspiel beobachten, manche von nahe, manche von fern, aber keiner, dem es auch nur einfiele, zur rühmenswerten Rettung zu kommen, die doch kaum etwas kosten würde: Sie alle nämlich starren entzückt und freuen sich, wenngleich noch ein wenig verschämt, über die nun endlich waltende Grabesstille