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Die Stimme

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Die Stimme, diese stets sich
rücksichtslos selbstgefährdende Stimme,
die nicht schweigen kann und immerfort 
den überall lauernden
schweren Verlockungen verfällt, 
die ausgehen vom erfrischenden Duft
innerlich erspürter Wahrheiten;
ein Duft, der sich nicht selten 
nur zu schnell als das aasige 
Parfüm der Pfeifenblume
entpuppt.

Igitt!

Manchmal, 
ja, vielleicht wirklich nur manchmal 
decken sich diese Wahrheiten 
trotzdem mit dem, 
was Außen,
was die Welt ist –:

Aber wer kann,
wer darf sich schon
so weit hinauf schwingen,
um das zu beurteilen?

Die stets redebereite Stimme
jedenfalls verkündet unermüdlich
in hohen und tiefen Tönen,
plaudert aus,
was sich das unruhige Hirn
in ihres Eigners etwas 
zu großem Schädel,
erdenkt;
dieses unruhige Hirn,
das den Menschen steuert, 
das den Menschen erhebt 
und niederdrückt,
zu Erfolgen führt
und wieder und wieder
scheitern lässt –
wie ein wahnwitziger Laborant,
der alles einmal ausprobieren will
und doch kaum etwas erreicht,
probiert dieses Hirn
tatsächlich alles,
fast alles aus.

Und der Eigner merkt, 
was ihm allmählich geschieht, 
wie sich die eben noch geraden, 
hellen Wege in finstere Täler hinabbiegen,
wie er aus der Sonne
in den Schatten gerät,
aber er kann es nicht lassen,
dennoch nicht lassen:

Etwas zieht ihn
seinem Schicksal entgegen!

Als Schlingen kommen die Worte, 
die seine Stimme spricht,
zu ihm zurück und legen sich
stärker und stärker um 
die fast hilflos wankenden Beine, 
die längst nicht mehr sicher im Leben stehen,
vielleicht niemals standen.
Die Schlingenworte wachsen sich, 
nach allen Seiten wirbelnd,
zielstrebig am immer noch stolzen Körper empor 
und greifen bald schon nach dem Hals,
um den sie sich dann bittersüß schmiegen,
erst sanft, dann härter und härter liebkosend,
schnüren sie diesen kräftigen Hals fester und fester,
bis der lebenserhaltende Atem stillsteht 
und dem frechen Hirn die Luft wegbleibt
und die Stimme nie wieder ein Wort
von sich geben wird.

Es sind übrigens einige, 
die dieses seltsame Schauspiel beobachten,
manche von nahe, manche von fern,
aber keiner, dem es auch nur einfiele,
zur rühmenswerten Rettung zu kommen,
die doch kaum etwas kosten würde:

Sie alle nämlich
starren entzückt
und freuen sich,
wenngleich noch
ein wenig verschämt,
über die nun endlich 

waltende Grabesstille


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