Und sie tapperten schon wieder vorwärts, zu neuen Verheißungen, denn ein Ziel mussten und müssen sie immer haben, ohne ein Ziel, das eine bessere Gegenwart in der Zukunft verspricht, geht es nicht. Nicht lange ist es her, dass sie sich in Bewegung setzten. Langsam fing es an, ganz langsam. Eines Tages liefen die ersten Schafe, man könnte fast sagen: Freien Willens, plötzlich los, angefeuert von brennenden Hoffnungen, noch grünere Wiesen und Weiden zu finden, denn jemand hatte ihnen davon in süßlicher und leidlich geschwungener Rede erzählt. Am Anfang waren es nur wenige, aber täglich wurden es mehr. Die Tiere, die sich noch nicht auf den Weg gemacht hatten, bekamen es nach und nach mit der Angst zu tun, sie stellten sich quälende Fragen: Was, wenn sie plötzlich als die Dummen, als die Zurückgebliebenen, als die Unglücklicheren, vielleicht sogar als die Hungernden, später Verhungernden dastehen würden? Durften sie das riskieren? Und kläfften der Schäfer schwarze Hunde, welche nun erschienen waren, um die Bewegung sicherzustellen und sogar zu beschleunigen, nicht pausenlos schon von links und rechts und hinten, hatten sie nicht aufgeregt und drohend ihre Schwänze steif erhoben, um sämtliche Schafe in die frische neue, nun eben angesagte Richtung zu jagen? Es gab nur einen Weg, immer gab es nur einen Weg: Jenen, den die schwarzen Hunde wiesen. Und diese kläfften und kläfften, die einfältigsten der Schafe aber ahmten sie blökend nach, nicht merkend, wie sehr sie sich dabei entblödeten, und einige glaubten gar, sie hätten die Laute, die sie dabei von sich gaben, selbst erfunden! Oh, Ihr ––––––––––––– Schafe! Das Tun und Treiben der Hunde zeigte jedenfalls Wirkung, eine immer größere Wirkung: Mehr und noch mehr Schafe machten sich auf die Reise in ein vermeintliches Glück, das doch nie jemand erblickte, und jene immer deutlicher zur Minderheit geratenden Restschafe, die bis dahin davon unbeeindruckt schienen, sahen sich plötzlich gezwungen, sich selbst und den anderen gute Gründe für ihr Verharren in der gewohnten Umwelt, in den gewohnten Bahnen vorzubringen, obwohl dieser Tage noch ausreichend frisches Gras unter ihre Klauen und in ihre Mäuler kam. Sollten sie sich nicht auch einfach ergeben, sich dem Strom der Mehrheit anschließen? Die Masse zog also fort, und einige wenige blieben. Die Masse musste sich nicht rechtfertigen: In ihr tat doch ein jeder nur, was ein jeder tat. Das enthob sie, so zumindest war ihr Glaube, ihrer Pflicht, selbst zu denken, selbst zu entscheiden, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen: War es nicht auch ganz angenehm, sich einfach nur treiben zu lassen? Viele sahen es so! Dieser Auszug der Schafe dauerte eine ganze Weile, die meisten waren längst auf die Reise gegangen, und wenn es welche gab, die das zuvor erklärte Ziel bereits erreicht hatten, so war es doch nicht der Ort, den man ihnen versprochen hatte, war es doch nicht der Ort, an dem sie verbleiben konnten, aber vorerst ließen sie sich nichts anmerken, auch wenn manche sich ihrer nun erwiesenen Dummheit tatsächlich ein wenig schämten, und bevor sie ihren Mund auftaten, um vielleicht trotzdem ein wenig zu schimpfen und ein wenig zu meckern, fing alles bereits wieder von vorne an: Und sie tappern schon wieder vorwärts, zu neuen Verheißungen, denn ein Ziel mussten und müssen sie immer haben, ohne ein Ziel, das eine bessere Gegenwart in der Zukunft verspricht, geht es nicht.