Aktuell
© 1999-2026 by Arne-Wigand Baganz

Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Der Tang

Start > Lyrik > 2025

Erst erschien er vereinzelt:
Als hier und dort ein wenig zufällig 
auf dem Sand und in der Sonne 
blinkendes frisches Grün,
das manches Auge
staunend berührte,
lag er da,
oft leicht schaumig noch
von den salzigen Wassern
des weiten Meeres,
die ihn hierher getragen hatten;
doch blieb es nicht dabei,
denn Tang gesellt sich
zu gern zu Tang, 
zu immer mehr Tang,
und so kam es, dass er die
beständig wallende Brandung
wie ein wachsender Schleier
nach und nach verdunkelte, 
er brauchte dafür
nicht einmal lange,
doch blieb es nicht dabei,
denn Tang gesellt sich
zu gern zu Tang, 
zu immer mehr Tang,
also arbeitete er sich vor, 
arbeitete er sich hoch,
von unten, 
so weit unten kommend,
arbeitete er sich hoch,
stetig und voll bissigen Eifers
gelang ihm der eigene Fortschritt,
bis ihm die große Stunde schlug
und er den ganzen feinen Küstenstreifen 
mit seinen unzähligen, gierigen, strähnigen 
Körpern belegt hatte.
Nicht mehr lebendig grün schien er nun,
sondern schwarz wie der Tod,
doch blieb es nicht dabei,
denn Tang gesellt sich 
zu gern zu Tang, 
zu immer mehr Tang,
und gemeinsam erklommen 
all die Millionen-Milliarden Tang-Partikel,
diese ungekämmten Haare, 
diese wilden Büschel 
und endlos verworrenen Flechten,
immer fest zusammenhaltend,
den modrigen Geruch 
der Tiefe verbreitend,
die nächste logische Stufe:

Die Hotels der ersten Linie
waren bald in ihrer
alles erstickenden Gewalt!


© 2025 by Arne-Wigand Baganz

Vorheriges Werk:
« Das Haus
Nächstes Werk:
» Semantische Verschiebung

Verwandte Texte

Vorwärts, zu neuen Verheißungen
Eine tierische Allegorie in Versform auf das oft blinde, kritiklose Hinterherlaufen von Trends in der Welt der Menschen
Lyrik, 08.06.2025

Der Palast
Zwar nicht "Ozymandias" – aber doch ein Gedicht über den Verfall
Lyrik, 23.06.2025

Meerespanorama
Ein nautisches Sinnbild
Lyrik, 28.07.2025