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Ukraine  Eine Reise durch die Ukraine in 113 Gedichten  Ukraine

Fühllos

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Keine echten Emotionen mehr.


Begraben dort unten liegst Du, kleiner Soldat des Glücks. Dein trauriges Gesicht ist leer, aber die blauen Augen stehen offen und mahnen die Mörder, welche in dunklen Zimmern gierig Deine Seele stahlen. Noch immer greifen sie nach Deinem Körper, Kinderhaut so zart und weich. Selbst im Grab keine Ruhe.


Alles ist gut, alles prima. Es könnte nie besser sein.


Und Deine Seele wandelt an alten Orten wie im Traume, erlebt erneut, was vor Jahren geschah. Weisse, verschlossene Türen, hinter denen gedämpft die Hunde bellen und die freundliche Wespe wird Dich wieder quälen.

Erstickendes Schweigen. Kein Atem mehr und blutige Arme. Nicht mehr sein, nur noch fliehen und fort in die Ewigkeit, wo Du allein bist in Frieden.


Oh, himmlisches Paradies!


In Deinem Schicksal gefangen, hilfloser Sklave, wuchs ein stählerner Panzer Dir. Jetzt können sie nur noch kratzen, denn Du bist Gott - unerreichbar.


Es gibt kein Vertrauen, jedes einzelne Wort eine Lügenwelt für sich.


Niemand hört Dein leises Weinen. Sie lachen Dich aus und strafen Deine Tränen. Hinter Deinem Panzer verbirgt sich ängstlich ein unschuldig´ Gesicht. Dein Leben haben sie schon früh zerstört. Immer wieder.

Es wird später und langsam Zeit. Die toten Erinnerungen sind mächtig, weil sie weiterleben und seltsame Spielchen treiben. Wie ein Lockruf Dein leises Weinen. Aus den Büschen hervor tritt ein krankes Wesen. Stumm bleibt der alte Mann stehen, schmerzender Wahnsinn in seinen Augen.


Nichts passiert, nur das Weinen ist.


Ein schwacher Wind kommt auf und setzt die Welt in Flammen.

© 2001 by Arne-Wigand Baganz

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