In der Werkstatt
Ich habe gelernt, dass es ein neues Leben geben kann,
das schmeckt, wie die ursprünglichen Visionen es wiesen:
Kind in der Löwenzahnwiese, Schmetterlingen folgend.
Oder war es umgekehrt: die Flatterer folgten dem Kind?
Es verlor auf dem Weg das Hören auf das?
In der Werkstatt habe ich gelernt,
dass es andernorts Menschen gibt,
die dir helfen, ein anderes Leben
zu installieren.
In der Werkstatt habe ich sägen, Holz-
tiere mit Buntlack veredeln gelernt;
den mörderischen Kundenvertrieb entlernt.
Menschen wieder als Menschen sehen gelernt
(statt als potenzielle Antragsunterschreiber).
Mich selbst heilen gelernt.
Die Versorgungslücke zu schließen und zu Grabe tragen gelernt.
Hohes Gras zu trimmen gelernt.
Im Sommer in der Weißdornhecke bei 38 ° Insektenbisse aushalten,
Unkraut mit der Hand entwurzeln gelernt. Dass man im Herbst des Lebens (???)
muskulär zulegen und Kraft gewinnen, den Sicherungskasten neu verdrahten kann.
Was haben sie mir zu Anfang der Rennstrecke alles an Klamotten übergestülpt.
Dass es stetig besser, wo leichter, für mich werden kann,
das haben sie mir nicht beigebracht. Schweiß, Schuld, Mühe, Gebote
waren ihre saitenlosen Instrumente.
Blindschleichen kriechen wieder, und die Salamander fliehen wie eh meine Schritte.
Die Schmetterlinge sind zurück.
Papierdrachen flattern bunt im Holzkreuz am Himmel, Bogen sind gespannt.
Der gelbe Plastikbumerang, auf die Reise geschickt vor fünfzig Jahren,
kehrt zurück in meine Hand.
Ich bin wieder dort angekommen, von wo aus ich losging.
© 2021 by Laessing, Thomas
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