Alfred Döblin hat mit seinem Werk "Berlin Alexanderplatz" großes
vollbracht. Es ist in die Weltliteratur eingegangen. Sein späteres Schaffen
dokumentiert jedoch, so will ich meinen, sein Scheitern am Leben, die
Rückkehr in den Schoß der Religion, dem er einst entkriechen konnte. Und so
dokumentiert auch die recht kurze Erzählung, das Märchen vom Materialismus,
den neuen, d.h. alten Alfred Döblin. In ihr beschreibt er eine aus den
Fugen geratene Welt, genauer gesagt: eine vom Menschen getrennte Natur, die
sich plötzlich willentlich weigert, nach den Gesetzen, die der Mensch in
seinen Wissenschaften aufgetan hat, zu funktionieren. Haupthandelnde der
Erzählung sind also vor allem Tiere und Pflanzen, denen Döblin einen
Verstand zugeordnet hat, der sie zur Rebellion zwingt. Die Kühe geben keine
gute Milch mehr, der Rasen ist nicht mehr weich, sondern verhärtet, spitz,
stachelig. Wer über ihn laufen will, holt sich blutige Füsse.
Das ist an sich ein recht schönes Motiv, das einigen Stoff bieten könnte,
um ein wirklich lesenswertes Werk zu schaffen. Leider walzt es Döblin auf
den 60 Seiten des Buches derart platt, dass man irgendwann froh ist, dass
es vorbei ist. Aber vielleicht mag dies auch ein gewollter Effekt des
Schriftstellers gewesen sein. Schliesslich endet das Buch damit, dass nun
jetzt alles gut sei. Die Menschen wären wieder zufrieden und hätten alles,
was sie begehrten - und dies schreibt er der neuerlichen Trennung der
Vernunft in eine nicht fassbare, himmlische, also religiöse, und eine, die
direkt im Schädel sitzt, zu. Hauptaussage des Werkes möchte also sein, dass
die menschliche Wissenschaft nicht das Maß aller Dinge ist, sondern dass
wir uns auch dem übernatürlichen zuwenden sollten. Das hätte man auch auf
maximal drei Seiten sagen können ...