Die Künstler dieser Welt haben die Szene immer nahezu gleich falsch gemalt, es käme darauf an, sie wenigstens ein einziges Mal richtig, in bewusster und größter Exaktheit darzustellen: Die schwarzen Silhouetten, wie sie sich zur goldigsten Glanzstunde, da die Schatten am kürzesten fallen, um die karge Krone des grauen Vulkans bedächtig kreisend bewegen. Sie fassen sich nicht bei den Händen, fassen sich wahrlich nicht bei den Händen, jede ist für sich nur ein Teil des ewig gleichen Schauspiels, jede läuft vorwärts, immerfort, nimmt vorsichtig die Biegungen um das tief unten im Krater liegende, feurig pulsierende Herz, das manchen als hellsichtiges Auge der Hölle erscheint. Sie sind wie Sekundenzeiger, die parallel auf einem Zifferblatt in konstanten Abständen laufen – und niemand kann sagen, wie spät es eigentlich ist. Auf den Flanken des zornigen Berges liegt reinweißer Schnee, liegt auch im Sommer reinweißer Schnee, geädert auslaufend wie ein Schwung farbloser Marmelade auf einer Schokoeiskuppe. Unten am starren Sockel, im lebensfrohen Tal gleißt und sengt die Sonne fast grässlich, rinnt Säugetieren der Schweiß aus den Poren, verstecken sich die Vögel ich dicht gewachsenen Büschen und den voluminösen Blättersphären noch leidlich gesunder Bäume, in der Höhe aber bläst ein frischer Wind forsch ihr Glühen fort. Hin und wieder verschwindet eine der rastlosen Silhouetten stumm hinabstürzend im Inneren des Berges. Würde man dem Ereignis dort oben, wo es seinen jähen Anfang nimmt, beiwohnen, hörte man es bald im Krater ganz leise kurz zischen, und sähe Dampf für einige Momente aufsteigen und wieder verschwinden – wie die Silhouette selbst! Nichts bleibt von ihr, und es ist auch, als wäre nichts geschehen, denn gar niemand vermisst sie – und das Schauspiel in der Höhe geht weiter, geht einfach weiter: Eine neue Figur erscheint geschmeidig und schließt die Lücke in nur wenigen Augenblicken; wenn man das Ganze nicht achtsam observiert oder unglücklich steht, wird man ihn verpassen. Und wie oft steht man unglücklich, wie oft ist man abgelenkt, wie oft verpasst man ihn? Eigentlich immer, immer, jeder verpasst diesen entscheidenden Augenblick, und so mutet alles an, als würde es sich nie ändern, als wären es stets die gleichen Figuren, welche die Krone des Vulkans so gelassen umschleichen, als wäre es bis ans Ende aller Zeiten Mittag. Weit gefehlt! – wie die Künstler, die uns mit ihren harmonischen Kreistanzbildern vom Gipfel des gefährlichen Berges seit Jahrhunderten, wahrscheinlich sogar Jahrtausenden fürchterlich täuschen!